Die Paralympics in Rio, der harte Kampf um #nichtmeingesetz, die taz.mitbehinderung: 2016 war ein spannendes Jahr für Menschen mit Behinderung in den Medien. Wir blicken auf die Berichterstattung in den Medien zurück.

2016 war ein aufregendes Jahr, ein Jahr voller Ereignisse, auch in der medialen Berichterstattung. Menschen mit Behinderung kämpften im Rahmen von #nichtmeingesetz für ihre Rechte. Sie taten dies ehrenamtlich, bewegten viel und doch tritt das Bundesteilhabegesetz im Januar 2017 in Kraft.  Sie traten bei den Paralympics an. Sie wurden wiedermal als die “Helden von Rio”, gar als die “wahren Helden von Rio” bezeichnet. Sie gestalteten eine überregionale Zeitung, die “taz. mit behinderung”.

Auch an dieser Stelle muss, wie in den vergangenen Jahren leider auch, darauf hingewiesen werden: die meisten Rollstuhlfahrer*innen fühlen sich nicht “an den Rollstuhl gefesselt”. Noch zu oft muss man diese Floskel in den Medien lesen. Es ist eine bequeme Wortwahl; wenn es sie nicht mehr gäbe, wäre auch das Bild der Gesellschaft von behinderten Menschen ein anderes.

Bild aus der Redaktion von der Freundlichen Übernahme

(c) Anna Spindelndreier | www.annaspindelndreier.de

Mehr echte Menschen mit Behinderung

Zwar spielen behinderte Menschen in Filmen oder Kampagnen eine immer größere Rolle; doch sind es leider nichtbehinderte Personen, die da schnell einmal für ein kurzes Foto im Rollstuhl landen. Das hat wenig bis nichts mit der tatsächlichen Vielfalt in der Gesellschaft zu tun. Auch die sogenannten “Rollstuhl-Experimente” gehen in diesem Jahr weiter. Der VOX-Hundeprofi testet das Leben im Rollstuhl und auch YouTuber probieren sich daran. Die Frage nach solchen Sendungen ist immer diejenige nach dem Sinn. Wird das Bewusstsein für Barrieren durch diese Beiträge in der Gesellschaft gestärkt, oder bleibt nur eine Bewunderung für Rollstuhlfahrer*innen, die kurz darauf verpufft? Wir machten uns darüber vor ein paar Jahren schon einmal Gedanken.

Keine Inspiration

Auf der anderen Seite wurde der Eigenblick der Menschen mit Behinderung in den Medien gestärkt; es gab einige gute Beispiele dafür in den Medien (Beispiel eins und Beispiel zwei), stellvertretend für viele andere mehr. In diesen Beiträgen kommen die behinderten Menschen selbst zu Wort, sie beschreiben ihr Leben, ihren Beruf, meist ohne jegliche Dramatisierung, die es in den Berichten über sie noch immer gibt.

Allerdings werden Menschen mit Behinderung noch immer viel zu oft in die Rolle der Inspirationsquelle gedrängt. An dieser Stelle lohnt sich immer wieder ein Blick auf den Tedtalk der verstorbenen Stella Young zu werfen “I’m not your Inspiration”.

Das den Menschen oft zugesprochene Leid, die Formulierungen vom “schweren Schicksal”, “an der Behinderung leidend”, kommt oft von Menschen, die noch immer keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung in ihrem Umfeld haben. Das führt auch zu Artikeln wie dem in der Süddeutschen Zeitung, wo eine vermeintliche “Würdigung” kleinwüchsiger Menschen mehr als missglückte. Doch das Bewusstsein wächst, das haben auch wir in unserer Medienarbeit bemerkt. Um die Berichterstattung über Menschen mit Behinderung stetig zu verbessern, haben wir dieses Jahr die Fotodatenbank Gesellschaftsbilder.de gegründet. Darin gibt es viele Fotos, die echte Menschen mit Behinderung bei ihrer Arbeit, im Privaten oder beim Protest zeigen und die für den redaktionellen Gebrauch kostenfrei verwendbar sind.

Barrieren aus dem Weg schaffen

Außerdem haben wir mit dem Projekt Die Andersmacher ein Portal ins Leben gerufen, auf dem wir junge Menschen mit Behinderung porträtieren, um zu zeigen, dass man nicht immer den vermeintlich vorgezeichneten Weg gehen muss. 2015 schrieben wir noch von Barrieren, die uns selbst daran hindern, Einladungen zu Vorträgen anzunehmen. Auf unserer neuen Seite Ramp-Up.me informieren wir darüber, wie man Events barrierefrei veranstalten kann. Nächstes Jahr sind wir auch gerne bereit unser Wissen an Ihre Redaktion weiterzugeben. Außerdem lesen wir uns dann wieder hier oder bei Facebook und Twitter.

Es gibt immer noch zu wenig Miteinander. Mögen wir 2017 ein Stück mehr zusammenwachsen!

Und das war unser 2016 in Bildern:

An welches Ereignis rund um das Thema Menschen mit Behinderungen erinnert ihr euch in 2016?

Titelbild: Anna Spindelndreier, www.annaspindelndreier.de