Zur Navigation Zum Inhalt

Lehren mit Trisomie 21 (Downsyndrom) – Porträts international

Von
Pablo Pineda mit SchülerInnen des Colegio Miguel de Cervantes in Córdoba. (Quelle: http://elpais.com, F. J. VARGAS)

Pablo Pineda mit SchülerInnen des Colegio Miguel de Cervantes in Córdoba. (Quelle: http://elpais.com, F. J. VARGAS)

Können Menschen, die mit Trisomie 21 leben, als Lehrer oder Lehrerin arbeiten? Dr. Thomas Hartung von der AfD sprach dem spanischen Lehrer Pablo Pineda seine Lehrfähigkeit trotz Hochschulabschluss ab und löste dadurch einen Shitstorm im Netz aus. Zeit also mal zu schauen, wer sonst noch so mit Trisomie 21 studiert und lehrt.

„Wollt ihr von jemandem ‚belehrt‘ werden, der weniger weiß als ihr?“ fragt AfD-Politiker Thomas Hartung auf Facebook und meint mit diesem „jemand“ den spanischen Lehrer Pablo Pineda, der mit Trisomie 21 lebt. Die Reaktionen im Netz zeigen Unverständnis für Hartungs Haltung, auch AfD-Chefin Frauke Petry distanziert sich von ihrem Kollegen und die TU Dresden, an der Hartung Journalismus doziert, fordert von ihm eine Stellungnahme.

Doch wer ist nun Pablo Pineda? Der Spanier ist relativ bekannt, da er wohl als erster Student mit Trisomie 21 einen Universitätsabschluss in Pädagogischer Psychologie machte. Nach seinem Lehramtsstudium in Málaga fing er an der Schule Miguel de Cervantes in Córdoba in Spanien an – einem Land, in dem 85% der Kinder mit Trisomie 21 in reguläre Schulen gehen.

„Die Familien haben noch immer Angst davor, dass Menschen mit Downsyndrom Lehrer werden oder dass sie Partner ihrer Söhne oder Töchter sind … Ich bin es leid, der ewige Schüler, das ewige Kind zu sein. Jetzt ist meine Zeit gekommen, zu unterrichten.“ (Pablo Pineda, taz, 22.03.2009)

Manche kennen Pineda auch aus dem Film „Me too – Wer will schon normal sein ?“ oder zuletzt aus der Doku „Alphabet“, denn nebenbei ist er noch Schauspieler und TV-Moderator. Im Interview mit „DiePresse.com“ und auch bei der Indra Company aus Madrid spricht er über seine Vorstellung einer inklusiven Gesellschaft:

Die erste Frau mit Trisomie 21, die sogar den Ehrendoktortitel einer Universität überreicht bekam, ist Karen Gaffney aus den USA. Neben dem Studium der „Humane Letters“ an der University of Portland in Oregon, gründete sie die „Karen Gaffney Foundation“, gewann Goldmedaillen im Schwimmen bei den Special Olympics und arbeitet jetzt als Motivationsrednerin. Eine Video-Aufzeichnung der Vergabe des Doktortitels an Karen Gaffney an der University of Portland gibt es hier zu sehen:

Text:

(Text) „On Karen Gaffney of Portland, Oregon. The world knows and esteems Karen Gaffney, the famous swimmer, conqueror of water and weather. Along with the people around the world we salute the courage and will power of a young woman who refused to be told what she could not do, in every arena, from the classroom to the English channel. But today, we celebrate the same Karen Gaffney’s even greater accomplishment. No one in our time has been as eloquent and articulate in word and deed about what men, women and children with Down syndrome can do. No one has shown so bravely and inarguably that any cultural bias about Down syndrome is wrong and unjust. With deep admiration for her flinty will power with reverence for her (…) courage and with the immense respect for the way she has insisted on the holiness and limitless possibility of every life from the breath of the creator, the University of Portland humbly presents a doctor of humane letters, honoris causa, to Karen Gaffney of Portland, Oregon.“ (Dr. Tom Greene, Rektor der University of Portland)

In Deutschland hat sich bisher vor allem Tobias Wolf einen Ruf als beliebter Lehrer mit Trisomie 21 gemacht. Er lernte Englisch an der Highschool in Vashon Island, Seattle, und unterrichtet seit zehn Jahren als Neigungslehrer (English Assistant Teacher“) an der Montessori-Schule Biberkor am Starnberger See in Bayern. Außerdem ist Tobias Wolf Autor für das Magazin Ohrenkuss“ von und mit Menschen mit Trisomie 21. Ein Beitrag über ihn lief beim Bayerischen Rundfunk, sowie bei „MDR. selbstbestimmt!“:

Vor Kurzem beendete nun in Italien eine Frau mit Trisomie 21, Guisi Spagnolo, ihr Studium an der Università degli Studi di Palermo. Und während sich in den USA auch Rion Holcombe über seine Zulassung zur University of Clemson in South Carolina freut, wird in Deutschland weiter über inklusive Bildung von Schülern und Schülerinnen mit Trisomie 21 diskutiert, wie die Geschichte von Henri Ehrhardt aus Baden-Württemberg zeigte. Bis Schlagzeilen wie jene über Larissa Krol aus Hannover – „Gymnasiastin mit Down-Syndrom“ (DIE ZEIT)- alltäglich werden, hier mal ein Vorschlag von Schülerin Megan Bomgaars aus Denver, Colorado: „Don’t limit me!“

Print Friendly