Marjolein Buis – Sportlerin der Sommer-Paralympics zu Sotschi 2014

(Quelle: http://marjoleinbuis.nl/)

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Schauen Sportlerinnen und Sportler der Sommer-Paralympics auch die Winter-Paralympics? Und was wünschen sie sich von der Berichterstattung über die Spiele in Sotschi 2014? Marjolein Buis war als Profisportlerin im Rollstuhltennis bei den Sommer-Paralympics in London 2012. Sie trainiert Vollzeit, studiert nebenbei Psychologie und hat das Ziel, 2016 in Rio wieder eine Goldmedaille wie in London 2012 zu gewinnen. Leidmedien.de gab sie nun ein Interview.

Leidmedien: Frau Buis, Sie waren bei den Sommerspielen 2012 in London dabei und haben sogar Gold gewonnen. Verfolgen Sie auch die Winterspiele in Sotschi?

Marjolein Buis: Ja, ich bin gespannt auf die Resultate der Niederländischen Teilnehmer und verfolge die Berichterstattung über die Sozialen Netzwerke oder täglich abends im Niederländischen Fernsehprogramm.

Leidmedien: Wie haben Sie die Berichterstattung über Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung während der Sommerspiele erlebt?

Marjolein Buis: Die Berichterstattung in England war überwältigend: Rund um die Uhr wurde man über die Spiele und sportlichen Leistungen informiert. Das war toll! In den Niederlanden hingegen wurden die Resultate ausschließlich um 23 Uhr  im Abendprogramm zusammengefasst. Dabei waren nur wenig Bilder oder kleine Videos über die Sportler und ihre Leistungen zu sehen. Dennoch sah ich eine positive Entwicklung, verglichen mit der Berichterstattung über die Paralympischen Spiele in 2008. Und ich habe die Hoffnung, dass 2016 noch intensiver über die Spiele berichtet wird.

Leidmedien: Wie erleben Sie die Berichterstattung über Menschen mit Behinderung in den Niederlanden? Gibt es ähnliche Floskeln, wie ‘er/sie ist an den Rollstuhl gefesselt’ oder ‘er/sie meistert tapfer sein/ihr Schicksal’?

Marjolein Buis: Ja, in den Niederlanden gibt es ähnliche Floskeln. Das niederländische Pendant zu ‘an den Rollstuhl gefesselt’ lautet dann ‘aan je rolstoel gekluisterd’. In den Medien ist auffallend, dass Menschen mit Behinderung immer nur wegen ihrer Behinderung zu sehen sind. Dann geht es meistens um Krankheiten, Schicksalsschläge oder andere medizinischen Thematiken. Schön wäre es doch mal, einen Moderator zu sehen, der nur einen Arm hat oder eine Sängerin, die im Rollstuhl sitzt.

Leidmedien: Gibt es in den Niederlanden ähnliche Projekte zur Sensibilisierung über Sprache, wie leidmedien.de?

Marjolein Buis: Soweit ich weiß, nicht.

Leidmedien: Haben Sie das Gefühl, dass sich seit den Sommerspielen 2012 etwas geändert hat, was das Bild und Ansehen von Menschen mit Behinderung angeht?

Marjolein Buis: Ja, das Gefühl habe ich auf jeden Fall. Ich denke, dass sich die Berichterstattung über Paralympische Sportler jetzt mehr auf ihre sportlichen Leistungen konzentriert und nicht allein auf die Behinderung.

Leidmedien: Was wünschen Sie sich für die Berichterstattung über die Winterspiele in Sotschi? Und welchen Effekt allgemein durch die Paralympics?

Marjolein Buis: Die nationalen Sender berichten momentan täglich über die sportlichen Resultate der Niederländischen Athleten. Jedoch wird das Programm erst spät am Abend ausgestrahlt. Ich hoffe dennoch, dass die Sender gute Einschaltquoten haben. Dann sehen die Verantwortlichen, dass das Interesse an solch einem sportlichen Event groß ist und können darüber nachdenken, die Spiele das nächste Mal zur Primetime auszustrahlen. Des weiteren würde ich mir wünschen, dass ein ‘Wir-Gefühl’ in uns wächst. Wenn das Niederländische Team bei der Fußballweltmeisterschaft oder die Sportler bei der Olympiade gute Ergebnisse erzielen, dann haben die Niederländer das Gefühl, dass ‘wir’ gute Leistungen gezeigt haben. Und genau dieses Gefühl wünsche ich mir auch bei den Paralympischen Spielen.

Leidmedien: Was sind Ihre momentanen sportlichen Ziele?

Marjolein Buis: In den folgenden Monaten arbeite ich daran, körperlich noch stärker zu werden, sodass ich mich für die Paralympischen Spiele 2016 in Rio qualifizieren kann. Und da hoffe ich natürlich auch eine Medaille zu gewinnen!

Das Interview führte und übersetzte aus dem Niederländischen Laura Gehlhaar.

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