Samuel Koch bei „Wetten, dass..?“ – Reaktionen in den Medien

Screenshot: http://www.spiegel.de/kultur/tv/wetten-dass-der-abschied-von-markus-lanz-a-1008365.html

Screenshot: http://www.spiegel.de/kultur/tv/wetten-dass-der-abschied-von-markus-lanz-a-1008365.html

In der letzten Sendung von „Wetten, dass..?“ war Samuel Koch zu Gast. Das Interview zwischen ihm und Markus Lanz löste in der Presse und auf Twitter heftige Reaktionen aus. Ein Überblick.

Zitate der Presse

Bild: „Deshalb ist DIESES Comeback richtig!“

JA! Samuel kommt zurück. Und das ist gut wie es ist. Der junge Mann arbeitet für seinen Traum. Und dieser Traum hat kein Ende im Rollstuhl eingeplant. Warum auch? Vielleicht bringt die Medizin ihn in ein paar Jahren zurück auf die Beine. Irgendwann wird der Junge, der mal Stuntmen werden wollte, wieder im Leben stehen. Egal wie! Das weiß ich! Die Sendung „Wetten, dass..?“ stirbt nun nach 33 Jahren. Samuel Koch ist 27 Jahre alt. Er hat den schlimmsten Moment der Show überlebt. Er lebt. Er liebt eine tolle Frau. Er bleibt bei uns. Das ist schön. Er ist weit mehr als das Unfall-Produkt einer Samstagabend-Show. Samuel ist stark. Samuel braucht kein „Wetten, dass..?“ für seine Zukunft! Ich freue mich, dass er da sein wird.

Süddeutsche Zeitung: „Samuel Koch bringt Lanz zum Scheitern“

Aber dann kommt einer, an dem Markus Lanz scheitert. Samuel Koch, der seit seinem Wettunfall vor vier Jahren vom Hals abwärts gelähmt ist. Auch das Publikum ist unsicher, wie es auf den 27-Jährigen reagieren soll, der mit Til Schweiger auf die Bühne kommt. Vereinzelt stehen die Leute auf, viele zögern zunächst, dann stehen doch alle. Ihn einzuladen, war gewagt und öffnete Raum für Ausrutscher. Und Lanz tappt leider hinein. Ungelenk interviewt er Samuel Koch, als wolle er mit aller Kraft bewegende Worte aus ihm rausholen, legt ihm mitfühlend die Hand auf die Schulter. Koch lässt sich nichts anmerken, kontert den Mitleidstenor des Moderators mit Humor. Als Lanz seinen Gast tatsächlich fragt, ob er in seinem Unfall „etwas Sinnhaftes“ sehe, schlägt die Kollegin im Sitz nebenan die Hände über dem Kopf zusammen, ein paar Plätze weiter ist tiefes Seufzen zu hören. Von da an entgleitet Lanz die Show.

Taz: „Kindergeburtstag des Grauens“

Kochs Auftritt war aber tatsächlich das Bemerkenswerteste an diesem Abend, nicht weil er so rührselig war, sondern weil er die ganze lanzsche Bräsigkeit offenbarte. Frage: „Wie geht es Dir heute?“ Antwort: „Das hast Du schon mal gefragt, wie es mir geht. Eigentlich ganz okay. Und selber?“ Es ist ärgerlich, wenn der Gast schlagfertiger ist als der Moderator.

Zeit: „Zu brav für diese Fernsehwelt“

Dass Samuel Koch gestern Gast auf dem Sofa war, wirkte bedrückend wie befremdlich. Lanz war diesem Schicksal nicht gewachsen; seine Fragen verunglückten eine nach der anderen. Koch, darauf angesprochen, warum er nach langer Überlegung der Einladung in die Sendung gefolgt sei, sagte: „Jetzt kann ich noch einmal vernünftig Abschied nehmen.“ Eingezwängt zwischen Til Schweiger und Helene Fischer beherrschte er das am besten von allen.

Stern: Lanz‘ peinliches Interview mit Samuel Koch

Der Auftritt von Samuel Koch sollte der emotionale Höhepunkt der letzten „Wetten, dass…?“-Ausgabe werden. Doch statt eines respektvollen Gesprächs wurde das Interview zu einem Debakel.

Spiegel: „‚Wetten, dass…?‘- Beerdigung: Jetzt bleibt nur noch der Tatort“

Einen der größten „Wetten, dass..?“-Momente aller Zeiten – im Guten wie im Schlechten – gab es, als gegen Ende der Sendung Samuel Koch und Til Schweiger einen gemeinsamen Auftritt hatten. Koch, der seit seinem Wettunfall querschnittgelähmt ist, erzählte ziemlich sachlich und klug von seinem Leben und Arbeiten im Rollstuhl; Schweiger, der seinen neuen Film promotete, in dem Koch eine kleine Rolle hat, hielt sich anfangs angenehm zurück. Am Ende berichtete Koch von einer Stiftung, die er ins Leben rufen wolle, und Schweiger versuchte dann doch recht brachial die anderen Couch-Gäste dafür zu gewinnen.

Das Interview (in Schriftform)

Reaktionen auf Twitter

Unsere „2 Cents“:

Die Meinungen in der Presse und auf Twitter spiegeln wider, dass der Auftritt von Samuel Koch bei „Wetten, dass..?“ für viele selbstverständlicher war als das Verhalten von Markus Lanz. Koch erzählte souverän von seinen Projekten, während Lanz immer wieder nur auf sein Leben mit Rollstuhl zu sprechen kam, um Mitleid zu erzeugen. Kurz hatte Koch die Gelegenheit über die Nebenrolle in Til Schweiger’s Film „Honig im Kopf“ und seine geplante Stiftung zu sprechen. Die meiste Zeit über blieb es dann bei Fragen zu seiner Gesundheit, der „Sinnsuche“ nach dem Unfall, seinem „Hand-Double“ im Kinofilm, seiner unterstützten Bewegung auf der Theaterbühne. Dabei hätte es noch viele weitere Themen gegeben, z.B. Samuel Koch’s Hauptrolle im aktuellen Stück Prinz Friedrich von Homburg am Staatstheater Darmstadt, seine Erfahrungen am Set zur Telenovela „Sturm der Liebe“, seine neue Fernbeziehung mit der Schauspielkollegin. Die Bemühungen von Markus Lanz, Samuel Koch ständig anzufassen, unterstützen die Annahme, dass Lanz seine eigentliche Unsicherheit und Berührungsängste auch durch Körpersprache ausdrücken wollte.

Wie es auch anders gehen kann, zeigt ein neueres Interview mit Samuel Koch im SWR. Ein paar Tipps zum Interview mit behinderten Leuten gibt’s auch hier. Für alle, die mehr erfahren wollen zur Kommunikation mit und über behinderte Menschen, geben wir auch Workshops für Redaktionen von TV, Hörfunk und Print. Anfragen einfach hier hin schreiben.

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Von
  • Tulpentopf

    Wer herausstellen muss, dass er Samuel Koch auch persönlich kennt, der hat es wahrscheinlich nötig. Wer wirklich an dessen Leben teilhat, wüsste auf das einzugehen, was Samuel bewegt und bewegen will.

  • Christian Münch

    Als Nicht-Betroffener habe ich eine Frage:
    Warum saß Samuel Koch auf dem Sofa- der Möglichkeit sich selbstbestimmt zu bewegen beraubt?
    Im Rollstuhl hätte er dem sinnfreien Tätscheln doch wenigstens davonfahren können.
    Gelebte Inklusion wäre gewesen, das Sofa mit der Kettensäge zu teilen- wäre schön Werbewirksam gewesen- und brauchen tut´s ja jetzt auch keiner mehr.

    • Tulpentopf

      Wenn ich das richtig verstanden habe, wollte er wie alle anderen auf dem Sofa sitzen. Die Wahrung seines „Tanzbereiches“ war die Aufgabe aller anderen.

  • Pingback: Samuel Koch bei “Wetten, dass…?” – Reaktionen in den Medien | Kunterbunte Familien()

  • David Siems

    Da ist ein Linkfehler im Link zu bild.de. Im Übrigen: Danke für die Zusammenstellung!

  • Christian

    Bei seinem ersten Auftritt mit Gottschalk ging mir Samuel eigentlich auf die Nerven, war mir unsymphatisch. Doch hier war er souverän. Man merkt deutlich, daß er jetzt mehr Zeit zum denken hat.
    Die traurigen Kommentare von Lanz, Naja. Wenn man bedenkt daß Ablauf und Inhalt der Befragung ja vorher abgesprochen war, lief es ganz gut.

    Natürlich, wenn man jedes Wort auf die Goldwaage legt und unbedingt etwas unangebrachtes hören will, kann man jeden Satz verdrehen. Das ist leider ein Charakterzug vieler Behinderter, daß sie aus allem einen Angriff sehen wollen. Dabei ist es meist höchstens Gedankenlosigkeit.

    Ich finde das Interview ganz in Ordnung, einiges war doppelt und somit überflüssig, da hätte er dafür wirklich noch anderes erzählen können, doch das lag an der Regie, nicht an den beiden.

    Ich fand es interessant und ganz gut so wie es ablief, abgesehen von der Anfasserei und dem peinlichen Selbstlob-Sager der Dame, daß ihre Stiftung Samuel schon unterstützt hätte (und sie deshalb seine eigene nicht unterstützt?). Daß Till die anderen Cochgäste zur Mitarbeit überrumpelte-klar, wann denn sonst als vor der Kamera? Hinter der Bühne gäbe es sonst nur 1001 Ausreden weshalb keine Zeit dafür ist.