taz.mit behinderung – Über uns. Mit uns.

Bild aus der Redaktion von der Freundlichen Übernahme

Die Seite 1 der taz.mit behinderung (c) Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Am 2. Dezember 2016 ist sie erschienen: die taz.mit behinderung. Eine freundliche Übernahme der Zeitung durch Menschen mit Behinderung unter redaktioneller Leitung von Leidmedien.de. Am Produktionstag und auch schon davor standen uns erfahrene taz-Redakteur*innen zur Seite. Judyta hat Stimmen und Bilder vom Tag zusammengefasst.

Innerhalb weniger Wochen haben wir AutorInnen akquiriert und RedakteurInnen gefunden, die uns vor Ort geholfen haben, die Artikel zu redigieren und in Form zu bringen. Die taz nahm uns sehr herzlich auf; die RedakteurInnen standen uns tatkräftig zur Seite, die anwesenden BesucherInnen hatten die Gelegenheit, nach Praktika zu fragen.

Es war eine inklusive Woche; wir lernten beide voneinander und arbeiteten gemeinsam an der taz.mit behinderung. Thematisch haben wir uns mit der Lebensrealität von Menschen mit Behinderung befasst; es ging um Studieren, Mutter sein, um behinderte ProtagonistInnen in Videospielen, Märchen und TV-Serien, um Liebe und Aktivismus. Vielen Dank an alle, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben!

Das Editorial von Judyta zur Ausgabe zum Nachlesen:

Jetzt übernehmen wir, Menschen mit Behinderung, eine Zeitung. Das hatten wir uns zu Beginn dieses Vorhabens auf die Fahnen geschrieben. Voller Eifer und ein bisschen trotzig sagen wir: Jetzt zeigen wir es ihnen, also den Menschen ohne Behinderung. Wir ballen unsere Fäuste und strecken sie aus, wie Superman, wenn er fliegt.
Das ist der Duktus, der Reflex, den man haben kann, wenn es um solche Projekte geht. Leider gibt es in der Gesellschaft noch immer zu viel Trennung und Berührungsängste zwischen uns allen.

Wir können aber gar nicht fliegen. Und außerdem sollten wir nicht von „wir“ und den „anderen“ sprechen. Es geht uns um Gemeinsamkeit, um beide Seiten, die irgendwie ein Ganzes werden sollen, eine Gesellschaft. Die Gemeinschaft war diese Woche in der taz spürbar. Ein Projekt der taz, des Onlineportals Leidmedien.de und von AutorInnen mit Behinderung auf der sagenumwobenen und viel geforderten Augenhöhe.

Behinderte Menschen waren die Ideengeber, die ChefInnen über die Texte und haben als FotografInnen Bilder zu dieser Ausgabe beigesteuert. So ist ein Perspektivwechsel gelungen. Die Stammredaktion hat geholfen, die Inhalte in die taz zu bringen. Wir haben uns ausgetauscht, es war eine inklusive, also gemeinsame Medienarbeit, wie sie in Deutschlands Redaktionen immer noch zu selten stattfindet.

Heute kommen in dieser Zeitung Menschen mit Behinderung zu Wort. Sie haben alle eine Behinderung und werden behindert: von Stufen im Stadtbild oder von fehlenden Untertiteln im Fernsehen. Sie erzählen aus ihrem Alltag; von Gesetzen, die sie in ihrer Selbstbestimmtheit gefährden, von der Liebe, die sie erleben, von behinderten ProtagonistInnen in TV-Serien, von Therapien, die sie quälen.

Morgen kann sich jeder in der Nachbarschaft umschauen, ob er oder sie behinderte Menschen kennt, ob sie Nachbarn, KollegInnen oder MitstreiterInnen im Sportverein sind. Nur wenn wir uns bewusst wahrnehmen, kann etwas Gemeinsames entstehen. Wir alle haben die Rolle, bewusster einen Zusammenhalt zu schaffen – sich zu begegnen, sich auszutauschen. Im Büro oder beim ­Feierabendbier. Prost!

Stimmen zur Übernahme:

  • Heiko Kunert war als Autor an der Ausgabe beteiligt und besuchte am Produktionstag die regionale Redaktion der taz.nord in Hamburg. Hier geht es zu seinem Bericht.
  • Fast alle Artikel der Ausgabe und diejenigen, die es aus Platzmangel nicht reingeschafft haben, finden sich hier.
  • Außerdem ein kleines Making-Of auf dem taz-Hausblog.
  • Ein Interview zur Ausgabe bei Radio Eins
  • Infos zur Ausgabe
  • Leserinnen-Briefe an die taz. Teil I und Teil II
  • Auch auf Facebook und Twitter erreichten uns viele Reaktionen und Glückwünsche zur Ausgabe. Vielen Dank dafür!

Die Titelbild-Fotografin Anna Spindelndreier hatte zudem die Idee, so viele Menschen vor Ort wie möglich zu fotografieren, die an der Ausgabe beteiligt waren. Natürlich sind es nicht alle Autor*innen, aber so wollen wir ein paar Gesichter hinter der Ausgabe zeigen. Egal, ob mit oder ohne Behinderung.

Wer noch eine Ausgabe der taz.mit Behinderung bestellen möchte, kann das hier tun. Am 1. Dezember entstand zudem ein kleines Making-of Video mit Einblicken in den Ablauf der Produktion am Tag vor Erscheinen der Ausgabe:

taz.mit behinderung [making-of] from taz.die tageszeitung on Vimeo.

Weitere Bilder vom Produktionstag der Freundlichen Übernahme in der Berliner taz-Redaktion festgehalten von Michel Arriens, Anna Spindelndreier und Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de:

 

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