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UNESCO-Gipfel „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“ – Ein Rückblick

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Screenshot: http://www.unesco.de/gipfel_inklusive_bildung.html

(Quelle: www.unesco.de)

Wie kann Deutschland fünf Jahre nach Unterschreiben der UN-Behindertenrechtskonvention endlich inklusiv werden? Vom 19.-20.3.14 war der Unesco-Gipfel „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“  in Bonn. Wir waren mit Leidmedien.de auch eingeladen. Ein Rückblick von Lilian Masuhr.

Vom Kuchen des Glücks wollen alle etwas abhaben. Nachdem das Rezept 2009 (UN-BRK) vorlag, wurde der Teig schon mal angerührt – aber noch fünf Jahre später, gibt es immer noch weder eine passende Backform (Struktur), verlässliches Backpapier (Verantwortliche) noch einen gut heizenden Ofen (Finanzen). Deutschland bleibt, was das Konzept einer inklusiven Gesellschaft betrifft, in Europa ein Mitleidsmuffin.

Damit sich daran was ändert, lud die UNESCO zum Gipfel „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“ um die 350 Experten aus Wissenschaft und Verbänden, Schule und Politik vom 19.- bis 20. März 2014 nach Bonn. Zusammen diskutierten sie über die Möglichkeit einer inklusiven Gesellschaft und verfassten am Ende die „Bonner Erklärung zur Inklusiven Bildung in Deutschland“ mit Forderungen zur Umsetzung an den Deutschen Bundestag, die Bundesregierung, Länder, Kommunen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Bildungspraxis.

Der „Enthinderungsbeauftragte“ macht einfach

Das Motto „einfach machen“ – übrigens auch SOZIALHELDEN-Motto –  zog sich wie ein roter Faden durch die Gipfel-Tage. Dabei war die Frage, ob es sich manche zu einfach machten, wenn sie die Verantwortung abgaben. Und zu wenige einfach machten, was die Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft verlangsamte. Es wurde vor allem von Barrieren in den Köpfen gesprochen, die in Deutschland 10-15 Jahre beanspruchten, während Inklusionsexperte Gordon Porter aus New Brunswick/Kanada in seiner Rede auf dem UNESCO-Gipfel Deutschland 3-5 Jahre zusprach. Man solle sich nicht von Details an Kosten, Zeitplänen und Strukturen abschrecken lassen – und statt Überforderung, Angst und Pflichtgefühl, auch Kreativität, Mut und Freude zulassen.

Einmal umgedacht: Wie sähe so eine Welt aus, in der Inklusionsbeauftragte klagende Eltern ersetzten, Förderlehrer und Schulleiterinnen mit überforderten Lehrern und Lehrerinnen kooperierten, Journalistinnen dem Thema über Paralympics, Schule und Wissenschaft einen Platz im Mainstream gäben? Eine Welt, in der aus dem „Behinderungsbeauftragten“ ein  „Enthinderungsbeauftragter“ (Evangelische Hochschule Ludwigsburg) wird, aus der „Zuständigkeitsgemeinschaft“ eine  „Verantwortungsgemeinschaft“ (Städteregionsrat Aachen), und aus „Schülern mit diagnostiziertem Förderungsbedarf“ einfach „Schülerinnen und Schüler“?

Kommunikation für Sichtbarkeit, „Empowerment“ und Vernetzung

Einfacher als bisher gelinge dies, wenn man möglichst früh auf Barrieren aufmerksam machte, betonte Verena Bentele als neue Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen. Warum also nicht schon vorher im Kindergarten / Kita den Kindern Kinderbücher zum Thema Behinderung vorlesen? Warum nicht im Deutsch-/Geschichts-/Sport-Unterricht Inklusion thematisieren? Warum nicht Studierende des Lehramts frühzeitig auf die Schulzeit mit Schülerinnen und Schüler mit Behinderung vorbereiten und Studierenden der Architektur Barrierefreiheit lehren? Aus den Workshops des UNESCO-Gipfels entstand vor allem der Wunsch einer verbesserten Kommunikation. Denkbar seien mehr Kontakträume zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, jeglichen Geschlechts und Herkunft – ähnlich wie das Hotel Cosmopolis in Augsburg, in dem sich Flüchtlinge, Anwohner und Touristen begegnen. Im Berufsalltag bedeutete dies nicht nur vereinzelt Beschäftigte mit Behinderung, sondern häufiger ein durchmischtes Kollegenteam. In der Freizeit gäbe es statt einmaliger inklusiver Sport- und Kulturfeste mehr angenehme Alltagssituationen.

Die Frage ist, was wir voneinander lernen können, wie etwa Stress versus Langsamkeit, Perfektion versus Improvisation. Weg vom Gedanken der bloßen Teilhabe hin zur guten Gestaltung im Sinne aller bedeutete dies auch, dass beispielsweise Menschen mit Behinderung mehr Verantwortung übernehmen (Stichwort „Empowerment“). Für die Schule hieße das nicht nur eine gemeinsame, sondern auch eine qualitative Bildung zu garantieren. Für barrierefreie Räume würden auch Menschen mit Behinderung zu Experten. Im Sinne des „Peer-to-Peer“- Prinzips könnten Studierende mit und ohne Behinderungen gemeinsam voneinander lernen. In den Medienhäusern entschieden auch Menschen mit Behinderungen über die Inhalte des Programms.

Deutschland als wirtschaftsstarke Inklusionsnation

Das Sahnehäubchen der Veränderung wäre, wenn wir in Deutschland Inklusion als Gewinn mit Vorteilen für alle sähen. Eine Begeisterung für das Thema zu schaffen, wie Verena Bentele vorschlug, statt es nur als Hausaufgabe zu sehen. Deutschland nicht nur als Vorbild für die Wirtschaft, sondern auch für die Inklusion zu begreifen, wie Gordon Porter visionierte. Der UNESCO-Gipfel „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“ in Bonn machte nochmals deutlich, dass inklusive Bildung ein Menschenrecht und damit Verantwortung bedeute. Und dass es schon viele für Inklusion begeisterte Menschen gibt. Fangen wir endlich an zu backen, der Ofen ist schon an.

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