Ob ihr im Journalismus, in der PR, der Werbung oder Filmbranche tätig seid, „Disability Mainstreaming“ ist für alle interessant. Das bedeutet, dass behinderte Menschen überall mitgedacht werden (als Protagonist*in, Moderator*in, Schauspieler*in) und auch zur Primetime zu sehen sind. Auf „Leidmedien.de“ findet ihr Tipps zum Finden von interessanten Persönlichkeiten mit Behinderung und der Berichterstattung auf Augenhöhe.

Medien prägen das Bild von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. Die Berichterstattung über behinderte Menschen ist häufig noch von Klischees geprägt, die sie als “leidende Opfer” oder “Helden des Alltags” zeigt. Dadurch werden Vorurteile und Berührungsängste in der Gesellschaft verstärkt, die durch getrennte Lebenswelten bereits bestehen (Sonderschule, Wohnheime, Werkstätten). Statt ausgewogen zu informieren, festigen die „Leidmedien“, wie wir sie nennen, das verbreitete Bild von Behinderung: Das schwere Schicksal, das überwunden werden muss – obwohl viele Menschen gerne leben, gerade auch mit ihrer Behinderung.

Das Projekt Leidmedien.de der SOZIALHELDEN wurde 2012 zu den Paralympics in London gegründet, um Journalist*innen Tipps für eine Berichterstattung über behinderte Menschen auf Augenhöhe zu geben. Ein Team aus Medienschaffenden mit und ohne Behinderung berät seitdem Redaktionen, um Berührungsängste abzubauen und Begegnungen zwischen nicht behinderten und behinderten Menschen zu schaffen. Statt Menschen an “den Rollstuhl zu fesseln”, sind sie “mit dem Rollstuhl unterwegs”; statt Menschen nur an “ihrer Behinderung leiden” zu lassen, ist es wichtiger das Leiden an Barrieren der Umwelt zu betonen (Stufen vor Gebäuden, fehlende Untertitel in Videos etc.) Lesen Arbeitgeber*innen Schlagzeilen wie “trotz Behinderung erfolgreich” entstehen leicht Zweifel, ob die behinderte Bewerberin für den Job wirklich geeignet sei. Dies hat in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit von v.a. schwerbehinderten Menschen in Deutschland einen hohen Einfluss.

Behindert werden, nicht nur behindert sein

In der Wissenschaft werden verschiedene Modelle zu Behinderung diskutiert, etwa in den Disability Studies und Kulturwissenschaften: Nach dem “medizinischen Modell” ist jemand behindert, somit liegt der Fokus vor allem auf den jeweiligen eigenen Beeinträchtigungen; nach dem “sozialen Modell” wird jemand behindert, in der Gesellschaft zum Beispiel durch Stufen am Eingang oder fehlende Untertitel in Videos; nach dem “kulturellen Modell” stellt sich die Frage “was heißt eigentlich behindert zu sein?”

„Nichts über uns ohne uns“

Noch zu häufig kommen behinderte Menschen in den Medien selbst nicht zu Wort über die ihnen wichtigen Themen. Neuerdings schaffen Projekte wie die Ausstellung “Touchdown 21” einen Blick aus der Perspektive der Betroffenen selbst, hier von Menschen mit Down-Syndrom. Junge Menschen mit Behinderung erlangen durch eigene Projekte eine verstärkte Präsenz in den Medien, etwa die Autorin Laura Gehlhaar, die in der Sendung “Neo Magazin Royale” zu Gast war, oder Ninia LaGrande als Moderatorin einer Modesendung bei RTL. YouTube wird zu einem beliebten Ort für neue Begegnungen von behinderten und nichtbehinderten Menschen, wie die Kampagne #barrierefreitag der Aktion Mensch zeigte.

Bildsprache

Neben sprachlichen Floskeln ist auch die Bildsprache eine Möglichkeit behinderte Menschen auf Augenhöhe zu zeigen. Unsere Fotodatenbank “Gesellschaftsbilder.de” zeigt neue Perspektiven: der Fokus wird auf die Persönlichkeit gesetzt und zeigt nicht nur ihre Hilfsmittel, und  gemeinsame Aktionen von behinderten und nichtbehinderten Menschen stehen im Vordergrund. Diese Fotos sind für den redaktionellen Kontext kostenfrei verfügbar.

Barrierefreie Kommunikation

Zuletzt ist barrierefreie Kommunikation entscheidend, damit mehr Menschen die Inhalte aus den Medien erreicht. Unser Projekt “Ramp-Up.me” gibt Tipps zur barrierefreien Gestaltung von Events.

Verantwortung der Medien

In einer Zeit, in der die Vereinten Nationen die Menschenrechte behinderter Menschen bekräftigen und viele Staaten gemeinsam an einer inklusiven Gesellschaft arbeiten, spielen die Medien eine besondere Rolle. Sie können informieren und aufklären – statt weiter Vorurteile und Stereotypen zu prägen. Schließlich kann jede*r irgendwann eine Behinderung haben.

Wir freuen uns über alle Medienschaffenden, die über Menschen mit Behinderungen berichten. Und wenn ihr euch Sorgen macht, beim Interview etwas falsch zu machen – besucht unsere FAQs. Für eure Recherche haben wir Themenvorschläge und Hintergrundinformationen zusammengestellt. Nehmt bei Fragen, Feedback, Anregungen oder Wünschen hier Kontakt zur Redaktion auf.

„Leidmedien.de“ ist ein Projekt der SOZIALHELDEN in Kooperation mit der Aktion Mensch. Die Gründungsförderung erfolgte durch die Robert Bosch Stiftung.

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