Schon wieder so ein schweres Schicksal? Fragwürdige Beispiele aus den Medien

Immer wieder stoßen wir in den Medien auf Barrieren – in der Sprache und in den Köpfen der Medienschaffenden. Eine kleine – nicht repräsentative! – Sammlung von Beispielen stellen wir hier vor. “Fragwürdig” machen diese Beispiele, dass sie

  • Behinderung auf ein “Leiden” und ein “schweres Schicksal” reduzieren –  positive Seiten des Lebens mit Behinderung werden ausgeblendet.
  • behinderte Menschen als passiv und hilflos darstellen, als “Sorgenkinder”, um die man sich kümmern muss.
  • sich auf die körperlichen und geistigen Defizite und “Andersartigkeiten” konzentrieren und so die Lust an der Sensation bedienen.
  • behaupten, dass behinderte Menschen ausschließlich etwas “trotz” oder “wegen” ihrer Behinderung tun.
  • ausblenden, dass das Leben und der Alltag behinderter Menschen vielfältig ist – dass behinderte Menschen neben der “Identität behindert” noch viele weitere Eigenschaften und Vorlieben haben.
  • nur “über” behinderte Menschen sprechen und nicht mit ihnen – die “Expertise” für Behinderung wird in der Fachwelt (zum Beispiel Medizinerinnen und Mediziner) oder in der Familie (zum Beispiel Eltern) gesucht.
  • behinderte Menschen als tapfere “Helden” darstellen, die ihre Behinderung “meistern” – statt als Menschen, die wie alle ihre Höhen und Tiefen erleben.
  • völlig alltägliche Tätigkeiten behinderter Menschen als besondere Leistung herausstellen, zum Beispiel Einkaufen, im Park spazieren zu gehen oder der Arbeit nachzugehen. Ihnen wird dabei oft ein besonderer “Lebensmut” oder eine “Lebensfreude” attestiert.

 

Mehr zur Thematik Opfer und Helden finden Sie hier und hier. Bei vielen dieser Beispiele fanden wir nur eines dieser Merkmale, bei anderen mehrere – manchmal sind wir uns auch selbst noch uneinig, wie wir dieses Beispiel bewerten.

 

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