In unserer Rubrik „Likemedien“ präsentieren wir unsere Fundstücke aus dem Netz der aktuellen Woche. Artikel, die uns beschäftigt, oder Videos, die uns bewegt haben. Wir freuen uns über Empfehlungen.

Artikel

  • In der Tagesszeitung „Die Welt“ rezensierte der Leiter des Ressorts Geschichte, Sven Felix Kellerhoff, neulich eine Ausstellung des Pariser Armeemuseums zu den Ereignissen in den Jahren 1870/71. In einem Absatz verglich der Autor jene Ausstellung mit der wissenschaftlichen Herangehensweise und der Barrierefreiheit der Ausstellung „Kolonialismus“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin. In einer früheren Version des Artikels, die mittlerweile verändert wurde, stand Folgendes:

Anders als bei der großen Ausstellung im Berliner Deutschen Historischen Museum (DHM) über Kolonialismus im Herbst 2016 lösen die Kuratoren der Pariser Schau die historischen Zusammenhänge und die Chronologie nicht in kulturwissenschaftlicher Beliebigkeit auf. Auch haben sie, zum Nutzen aller Besucher, auf vermeintlich „inklusiven“ Schnickschnack wie Bodenleitsysteme und Bildschirme mit zappelnden Gebärdendolmetschern verzichtet.

Daraufhin hat der Allgemeine Sehbehinderten- und Blindenverein Berlin Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht. Zur Begründung der Beschwerde heißt es:

Der Allgemeine Blinden und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V. (ABSV) missbilligt die abfällige Ausdrucksweise, derer sich Herr Kellerhoff bedient. Sie ist verletzend und zutiefst diskriminierend.

Laut UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 in Deutschland geltendes Recht ist, sind Ausstellungen für alle Besucher zugänglich zu machen und für behinderte Menschen barrierefrei zu gestalten.

Herr Kellerhoff meint dies durch Formulierungen wie „vermeintlich ,inklusiver‘ Schnickschnack“ oder „Bildschirme mit zappelnden Gebärdendolmetschern“ ins Lächerliche ziehen zu müssen. Außerdem suggeriert der Autor mit der Formulierung „zum Nutzen aller Besucher“, dass Museen besser auf die Bereitstellung inklusiver Angebote verzichten sollten. Ein Widerspruch, denn zu „allen Besuchern“ zählen seiner Auffassung nach offenbar weder blinde und sehbehinderte noch gehörlose Besucher, denn diese sind genau auf den von ihm für überflüssig erachteten „inklusiven Schnickschnack“ angewiesen.

Das Deutsche Historische Museum hat in mehreren Sonderausstellungen gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, durch Leitsysteme für blinde Menschen, spezielle Audioguides, Übersetzungen in Gebärdensprache sowie Texte in leichter Sprache, Braille oder Großschrift, behinderten Menschen die Zugänglichkeit zu Ausstellungsinhalten zu erleichtern bzw. überhaupt erst zu ermöglichen. (…)

Der schweizerische Blogger und Betreiber des „rollstuhlblog.ch“, Thomas Schneider, veröffentlichte auf seiner Seite eine Antwort des Welt-Autoren auf die Kritik. Darin bekräftigt Kellerhoff seine Sichtweise und merkt an, „behinderte Menschen sollten Unterstützung bekommen, die sinnvoll ist, zum Beispiel eigene Führungen mit Gebärdendolmetschern“. Dies entspricht unserer Meinung nach nicht einem inklusiven Verständnis von Ausstellungen. Außerdem heißt die Berufsbezeichnung korrekt „Gebärdensprachdolmetscher“.

Videos

Schauspieler Noha Badir spricht im Video beim SRF Virus über die Vorurteile gegenüber Menschen mit Down-Syndrom:

https://www.facebook.com/ABCiview/videos/1436308799725094/?hc_ref=PAGES_TIMELINE

Nominierungen für Grimme Online Awards

Die Nominierten für den Grimme Online Award wurden bekanntgegeben. Darunter finden sich viele Projekte runt um Behinderung und Inklusion, z.B.: www.wochenendrebell.de (Vater und Sohn bloggen und podcasten über Fußball, Gott und die Welt – und nebenbei über das Asperger-Syndrom vom Jungen) und „Die mit den Händen tanzt“ ein Webspecial vom Radiosender HR 2 über die Gebärdensprachdolmetscherin Laura M. Schwengber, die auch Musik dolmetscht. Ihr könnt noch für den Publikumspreis abstimmen.

Wir werden dennoch weiterhin aufmerksam machen auf Diskriminierungen wie der Grimmepreis für Oliver Polak für die Sendung „Applaus und Raus“ und den Hashtag #GastOderSpast.

Vorschau

In eigener Sache

  • Ein neuer Artikel zu unserem Projekt Ramp-Up.me auf dem FAMAB-Blog ist online. Diesmal verrät Judyta Smykowski, wie wir mehr Vielfalt ins Programm und auf die Podien dieses Landes bringen.
  • Wie funktioniert Inklusion in unserer Gesellschaft und welche Probleme und Vorurteile gilt es zu überwinden? Leidmedien.de-Redakteurin Judyta stand auf dem diesjährigen Kongress der Tageszeitung taz allen Interessierten Rede und Antwort. Hier geht´s zum Bericht vom taz.lab.

Titelbild: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de