In unserer Rubrik „Likemedien“ präsentieren wir unsere Fundstücke aus dem Netz der aktuellen Woche. Artikel, die uns beschäftigt, oder Videos, die uns bewegt haben. Wir freuen uns über Empfehlungen. Das Logo Billy mit einem großen Daumen nach oben. Das internationale Zeichen für alles okay!

Welt-Downsyndrom-Tag am 21. März

  • Menschen mit Behinderung wird häufig gesagt, sie hätten „besondere Bedürfnisse“. Das sehen viele von ihnen anders, es sind einfach nur Bedürfnisse. Ein toller Spot von der Vereinigung „Coordown“ #NotSpecialNeeds :

  • Über die Ausstellung „Touchdown 21“ in der Bonner Bundeskunsthalle schrieb Lilian Masuhr einen Kommentar. Die Ausstellung klärt über das Down-Syndrom auf und wurde in einem inklusiven Team zusammen mit Menschen mit Down-Syndrom konzipiert und in Tandem-Führungen präsentiert. Mehr Informationen zum Projekt „Touchdown 21“ finden sich hier auf Deutsch und Englisch. #Weltdownsyndromtag

    Johanna von Schönfeld, Ohrenkuss-Ausgabe „Superkräfte“, 2013, © Martin Langhorst, (www.lichtbilderlanghorst.de)

  • Und was macht die BILD-Zeitung zum Welt-Downsyndrom-Tag? Sie veröffentlicht ein Interview mit Schauspieler Sebastian Urbanski und betitelt es mit „Darf man Sie Mongo nennen?“. Ein Kommentar von Lorenz Meyer dazu ging viral:

Liebe BILD-Redaktion, (…) „Mongo“ ist ein beleidigendes Schimpfwort, mit dem keiner belegt werden möchte: Weder Menschen mit Down-Syndrom noch andere Menschen! Warum also eine Pseudo-Frage, die doch nichts anderes tut, als an den abwertenden und diskriminierenden Begriff „Mongolismus“ anzuknüpfen? Warum für ein diskriminierendes Schimpfwort indirekt Reklame machen? Warum den sprachlichen und inhaltlichen Zusammenhang in den Köpfen der Leser verfestigen (neudeutsch „Framing“)? Und kommt mir nicht damit, dass Ihr am Tag des Down-Syndroms „aufklären“ wolltet. Mit tabubrechenden Überschriften Klicks machen, das war Eure Absicht. Mit Aufklärung hat das Ganze nichts zu tun. In der Logik von „BILD fragt Fragen, die sich keiner zu stellen traut“ müsste es dann nämlich so weitergehen: „Herr Farbiger, darf man Sie Nigger nennen? Herr Rollstuhlfahrer, darf man Sie Krüppel nennen? Herr Isreali, darf man Sie Drecksjude nennen?“ Dass das keine gute Idee ist, merkt Ihr selbst, oder? Derartige „Fragen“ werden nämlich aus gutem Grund nicht gestellt (hat was mit Kinderstube, Herzensbildung und Anstand zu tun) und nicht, weil „sich sonst keiner traut“, wie Ihr vorgebt. Viele Grüße, Euer Lorenz

Das BILDblog schrieb ebenfalls einen Kommentar: 

Was im Fall von Bild.de dazukommt und besonders grässlich ist: Es handelt sich um einen kostenpflichtigen „Bild plus“-Artikel. Das Schimpfwort „Mongo“ sehen also Millionen Menschen, die täglich bei Bild.de vorbeischauen. Die Antwort, dass dessen Verwendung überhaupt nicht okay ist, erreicht nur die paar Hunderttausend, die „Bild plus“ abonniert haben.

Fernsehen für Kinder

  • In der Sesamstraße wird mit Julia bald eine Figur dabei sein, die Autistin ist. Die Medien (z.B. ze.tt) haben das gefeiert, wir finden es auch super, wenn Vielfalt in Kindersendungen gelebt wird. Und auch gut, dass die Puppenspielerin selbst Mutter eines autistischen Sohnes ist. Viele Autist*innen kritisieren aber, dass die Sesamstraße mit der Organisation Autism Speaks kooperiert hat. Diese sieht unter anderem Autismus als zu heilende Krankheit. Hintergrundinfos zur Kritik gibt’s in der Huffingtonpost. Fragen zu Autismus beantwortet die Wissensdatenbank „Autismus FAQ“ von Marlies Hübner und Misha Verollet.

Verschiedene Artikel

  • Bei frontal21 gab es einen guten Bericht über fehlende Barrierefreiheit bei der Bahn, wie defekte Aufzüge. Gut erkannt: „Rollstuhlfahrer sind genauso wie Fahrgäste mit schwerem Gepäck oder Kinderwagen auf Fahrtreppen und Aufzüge in Bahnhöfen angewiesen. Doch häufig sind diese wochen- und monatelang außer Betrieb.“
  • „Rollt bei mir“ hieß die Kolumne von Judyta Smykowski in der taz, in der sie über das Leben mit Rollstuhl und den Umgang der Gesellschaft mit behinderten Menschen schrieb. Mit dem Artikel „Und alle wollen helfen“ hat sie sich nun verabschiedet.
  • Der Film „Vaxxed – die schockierende Wahrheit“ kommt in deutsche Kinos und wird heftig von Autist*innen kritisiert, da er einen Zusammenhang herstellt zwischen der MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) und Autimus. Marlies Hübner schrieb dazu einen Kommentar.

Veranstaltungen, Preise, Aufrufe

  • Der Deutsche Hörfilmpreis hat im Kino International die Preisträger*innen der besten Audiodeskription von Filmen gekürt. Die Gewinner*innen lest ihr in der Berliner Morgenpost und einen Hintergrund zur Kunst der Audiodeskription gibt’s im DeutschlandradioKultur. Wir waren auch dort, schön war’s!
  • Die ForumRECHT-Redaktion sucht Beiträge für ihre neue Ausgabe zu den Themen Bundesteilhabegesetz, Pränataldiagnostik, Barrierefreiheit, Altersarmut, Gender und Behinderung, Inklusion als Menschenrecht, Begriff der Behinderung, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Wahlrecht.

In eigener Sache

  • Mit dem Podcaster Benedikt Geyer von „Irgendwas mit Menschen“ sprachen Lilian Masuhr und Andi Weiland über die Entstehung der Sozialhelden-Projekte, die tägliche Arbeit und speziell Leidmedien.
  • Am kommenden Sonntag, 2. April, ist Judyta Smykowski zu Gast bei einer Podiumsdiskussion der Fachtagung „24 Stunden Zukunft“ vom Deutschen Journalisten Verband. Ort: MIZ (Medieninnovationszentrum) in Potsdam-Babelsberg, Zeit: 11 Uhr. Programm.