Am 2. April ist der Internationale Welt-Autismus-Tag. Dem vorausgegangen war eine “Autismus-Woche” (Autismus Awareness Week), um auf Vorurteile aufmerksam zu machen. Wie und über was die Medien berichtet haben, gibt es hier im Überblick.

Menschen aus dem Autismus-Spektrum begegnen viele in der Gesellschaft häufig noch mit Vorurteilen. Als Folge bekommen autistische Schüler*innen schwieriger einen Platz an einer Regelschule und autistische Erwachsene wenige Chancen auf dem 1. Arbeitsmarkt. Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen, Petra Wontorra, forderte daher anlässlich des Internationalen Welt-Autismus-Tages am 2. April, mehr Einsatz für die schulische Inklusion. Außerdem sollten Angehörige vermehrt Beratung rund um Behördengänge über Anlaufstellen erhalten (Kobinet Nachrichten).

Berichterstattung über Autismus

Auch die Art und Weise wie Medien über Autismus berichten, kann einen Einfluss darauf haben, wie Autist*innen in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Auf Twitter kritisierten einige Autist*innen, dass wieder vor allem IT-Experten in den Porträts auftauchten und keine Autist*innen in anderen Berufen und viel zu wenige Autist*innen generell selbst zu Wort kommen (AntikaWorks). Im Speziellen wird kritisch auf den Artikel “Autismus – Krankheit oder Charakterzug” in der Deutschen Welle eingegangen (Elodiyla).

Porträts

Wir fanden zum Welt-Autismus-Tag in den Medien viele Porträts über Menschen, die mit Autismus leben. Darunter:

  • Roswitha Stephan – eine Frau, die erst mit 61 Jahren ihr Abitur macht, da sie vorher davon abgehalten wurde und erst spät erfuhr, dass sie Autistin ist (Tagesspiegel)
  • Florian G. – ein 15-jähriger, österreichischer Schulsprecher, der sich an seinem inklusiven Gymnasium in Wien gegen Vorurteile einsetzt (Kurier)
  • Hilde Junker – eine Frau, bei der erst mit 48 Jahren ihr Autismus festgestellt wird, und die ihre Wahrnehmung des Alltags schildert (Westfälische Nachrichten)
  • Peter Schmidt – ein Mann, der weltweit Vorträge über Autismus hält und mit “Kaktus zum Valentinstag” einen Bestseller landete (Peiner Allgemeine)
  • Leo Kohl – ein 19-jähriger, der mit seinem Buch “Asperger – mein Leben zwischen Intelligenz und Gefühlsleben” aufklären will und schon einen Ratgeber für Eltern und Erzieher*innen von Kindern mit Asperger-Autismus plant. Über ihn wurde infolge einer dpa-Meldung (die fälschlicher Weise Autimus als Krankheit bezeichnet) in der Berliner Morgenpost, der Welt und in der Süddeutschen Zeitung berichtet.
  • Marlies Hübner – eine österreichische Frau, die das Buch “Verstörungstheorien” schrieb und im Interview im Stern über Hürden im Alltag von Autist*innen spricht. Sie ist auch Autorin bei Leidmedien.
  • Christine Preißmann – eine Ärztin und Reisebegeisterte, schreibt selbst über ihre Erfahrungen während einer Norwegenreise bei Freitag.de.  Sie ist Autorin des Buches “Asperger – Leben in zwei Welten”.
  • Autistische Männer: In der Deutschen Welle werden mehrere Autisten erwähnt, etwa der im Vorstand vom Aspies e.V. sitzende Rainer Döhle. Auch der britische Autor Daniel Tammet und der Künstler Stephen Wiltshire werden fotografisch abgebildet (und im Video porträtiert). Der Artikel ist sonst auf die medizinischen Ursachen von Autismus fokussiert und verwendet den Begriff “Krankheit” zur Beschreibung der Entwicklungsstörung.
  • Autistische Frauen: Immer noch wird bei Frauen ein Autismus erst später erkannt als bei Männern. Um ihnen eine Stimme zu geben, brachte die BBC die Beitragsreihe “It all made sense when we found out we were autistic”.

Mythen über Autismus

Eltern autistischer Kinder

In zwei Berichten kommen vor allem die Mütter bzw. Medizinerinnen zu Wort, nicht die autistischen Kinder selbst:

  • Im Buch “Nur zu zweit” schreibt Monika Karner über das Leben mit ihrem autistischen Sohn (Krone). Im Bericht müssen Autist*innen an ihrer Entwicklungsstörung leiden (statt mit ihr zu leben).
  • Eine Mutter von drei autistischen Söhnen hat das Selbsthilfe-Forum “Kinder mit Autismus” gegründet und lässt ihre Kinder Jacken anziehen, auf denen “Sorry, ich verstehe dich nicht, ich bin Autist” zu lesen ist (Kölner Stadtanzeiger).

Meinungen auf Twitter

Projekte

  • In welchen Filmen das Thema Autismus behandelt wird hat die Deutsche Welle zusammengestellt. Darunter sind “Rain Man” (1988), “Gilbert Grape – irgendwo in Iowa” (1993), “Mozart und der Wal” (2005), “Der Geschmack von Schnee” (2005), “Ben X” (2008), “Mary & Max” (2009), “Im Weltraum gibt es keine Gefühle” (2010) und “Extrem laut und unglaublich nah” (2011). Bei Moviepilot haben wir übrigens eine Liste von Filmen zusammengestellt, in denen das Thema Behinderung vorkommt.
  • Über die Firma Auticon, bei der fast nur autistische IT-Experten arbeiten, berichtet der Bayerische Rundfunk. Es wird zudem betont, dass laut einer Studie zwar die Mehrheit der autistischen Studienteilnehmer “im Privatleben eine relativ hohe Zufriedenheit” hätten und “Dinge wie die Wohnsituation, den Partner oder die Freizeit autonom auswählen” könnten. Dennoch fühlten sich aber 80 Prozent “nicht ausreichend finanziell geschützt und erleiden mitunter existenzielle Ängste”. Außerdem: “Mehr als 90 Prozent der Befragten meinten, dass die Öffentlichkeit über Autismus nicht genügend informiert ist und fast zwei Drittel fanden sich mit ihren positiven Fähigkeiten in der Öffentlichkeit nicht korrekt dargestellt.“

Symbol-Farben blau, rot, gold

Viele verbinden mit dem Welt-Autismustag die Farbe Blau. Daher werden Bauwerke auch am Welt-Autismustag weltweit in blauer Farbe angestrahlt (z.B. in Istanbul). Einige Aktivist*innen stellen sich aber gegen diese Beleuchtung, weil sie vor allem von Vertreter*innen verwendet wird, die Autismus als Krankheit und daher heilbar betrachten (z.B. Autism Speak). Sie entschieden sich daher für die rote Farbe als “RedInstead”. Eine Erklärung dafür findet sich auf Twitter sowie auf der Facebook-Seite der Sexualbegleiterin Edith Arnold.

Bei Recherchen stießen wir auch auf den Vorschlag, das Symbol der “Goldenen Unendlichkeitsschleife mit Einhörnern” für Autismus zu verwenden. Die Idee hatte der White Unicorn e.V., die die Farbe Gold aus dem Periodensystem von „Au“ (lat. Aurum) in Anlehnung an „Autismus“ gewählt haben. Der Verein gibt zudem Tipps, wie der Unterricht von autistischen Kindern funktionieren kann: “Barrieren z.B. des sensorischen Lärms müssen im Außen regulierbar werden. Andersartigkeit muss akzeptiert werden. Es muss aufhören, dass autistische Kinder wegen ihrer Art zu Sein abgelehnt werden und ein Bildungsabschluss als etwas Außergewöhnliches für diese Kinder gilt. Um das zu realisieren kommen Hilfsmittel zum Einsatz. Fernschulmaterial, Telepräsenz und Assistenzhunde, die treue Begleiter sind werden zur Verfügung gestellt.”

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