Vom 9. bis 18. März finden die Paralympischen Winterspiele in Südkorea statt. Eine Übersicht über die aktuellen Medienangebote, Wissenswertes und Tipps für die Berichterstattung.

Tatsächlich scheint bereits im Vorfeld der Paralympics 2018 eine Berichterstattung meistens auf Augenhöhe zu gelingen. Auch die barrierefreien Angebote zu den Paralympics haben mit Übersetzungen in Gebärdensprache, Audiodeskription und Leichter Sprache neue Trends gesetzt. Wir geben eine Übersicht über die aktuellen Medienangebote.

Medienbroschüre

Für Medienschaffende haben wir Tipps zur Sprache und Bildsprache über behinderte Sportler*innen zusammengetragen. Ein Beispiel: Der Begriff “Handicap-Sportler/in” sollte ersetzt werden: Im Breitensport durch “Sportler/in mit Behinderung” und im Leistungssport durch “Para-Sportler/in” bzw. “Paralympionik/in” (Teilnehmer/in Paralympics).

–> Zur Medienbroschüre von Aktion Mensch & Leidmedien

Übrigens gibt es eine neue Bedeutung des Wortes “Paralympics” (Erklärung Sportschau): Die Bezeichnung “Paralympics” war zu Beginn eine Zusammensetzung der Begriffe “Paraplegic” (engl.: gelähmt) und “Olympics”. Um auch Menschen gerecht zu werden, die andere Behinderungen aufweisen, wurde das Wort neu definiert. Nun wird “Paralympics” auf die Wörter “Para” (neben) und “Olympics” zurückgeführt. Damit soll die Nähe zur olympischen Bewegung und das Nebeneinander der Spiele ausgedrückt werden.”

Medienberichterstattung (regelmäßig)

Ausgewählte Medienberichte am Ende des Artikels.

Übertragung im Fernsehen

  • Eröffnungsfeier im ZDF (9. März ab 11.50 Uhr). Kommentiert wird sie von Moderator Yorck Polus und dem langjährigen ZDF-Experten Matthias Berg. Danach wechselnd ZDF und ARD, live von 0.25 Uhr bis 9 Uhr plus ZusammenfassungenHauptmoderatorin bei der ARD ist die MDR-Moderatorin Stephanie Müller-Spirra. Dabei ARD-Experte und Paralympicsathlet Gerd Schönfelder und Leichtathleten Niko Kappel und Mathias Mester. (Presseportal, Sportschau)

Barrierefreie Medienangebote

  • Untertitel und Gebärdensprache: Neben Untertiteln gibt es dieses Jahr erstmalig eine Übersetzung in Gebärdensprache, verantwortet vom MDR. Tageszusammenfassungen der sportlichen Höhepunkte im Ersten und ZDF – als Livestream auf sportschau.de/paralympics, auf paralympics.zdf.de bzw. über HbbTV. Die Sportarten werden auch in Gebärdensprache erklärt (Sportschau).
  • Audiodeskription: Die Liveberichte von den paralympischen Wettkämpfen im Ersten und im ZDF werden mit Audiodeskription bereitgestellt. Diese Live-Audiodeskription wird auch als Audiostream, z.B. für die mobile Nutzung angeboten. (Audiodeskription in der Sportschau)
  • Leichte Sprache: Hintergrundinformationen und die sportlichen Höhepunkte aus der Nacht zum Nachlesen gibt es täglich auch in “Leichter Sprache” auf sportschau.de/paralympics

Video-Spots international

Wissenswertes

  • Ort: Die Paralympics 2018 finden vom 9. bis 18 März in Pyeongchang in Südkorea statt und rund 570 Sportler aus 48 Nationen kämpfen um Medaillen. Die ersten Paralympics 1988 fanden auch in Südkorea statt. Für Nordkorea ist die Teilnahme neu, zwei Langläufern sind dabei.
  • Glücksbringer: Das Maskottchen heißt Bandabi und ist ein asiatischer Schwarzbär, der Mut und Willenskraft verkörpert. Das Maskottchen der Olympischen Winterspiele hieß Soohorang.
  • Deutsche Mannschaft: 11 Frauen und 9 Männer aus Deutschland haben sich qualifiziert (sieben Personen mehr als in Sotschi). Alle 15 Medaillen 2014 in Sotschi für Deutschland gewannen Frauen. (Quelle Zeit). Im Schlitten-Eishockey ist als Frau nur Lena Schrøder aus Norwegen dabei. (Quelle Zeit). Andrea Eskau ist 2018 die deutsche Fahnenträgerin.
  • Sportarten: Als Sportarten bei den Paralympics gibt es Ski alpin, Biathlon, Langlauf, Rollstuhlcurling, Schlitten-Eishockey und Snowboardingstehen. In jeweils drei Kategorien werden die Wettkämpfe unterteilt: sitzend, stehend oder sehbehindert.
  • Doping: Wegen des Verdachts auf Doping bei 6 von 21 Medaillen-Gewinner*innen wurden russische Para-Sportler*innen ausgeschlossen und dürfen nur als „Neutrale Paralympische Athleten“ teilnehmen.

Kinder und Jugendliche für die Paralympics

Zur Einstimmung auf die Paralympics 2018 brachte der Kinderkanal (Kika) die Serie “Nicht zu stoppen“ und begleitete sechs Sportler*innen der Sommer-Paralympics auf dem Weg zu ihren wichtigsten Wettkämpfen. Alle Folgen könnt ihr euch hier anschauen.  Judyta Smykowski berichtete in der taz über die Serie.

(Lange Version des Beitrags

Ausgewählte Medien-Berichte zu den Winter-Paralympics

 

1. “Eine Machtverschiebung ist möglich” (Tagesspiegel)

Die Gesellschaft muss noch beweisen, dass sie Menschen mit Behinderung wirklich in ihrer Mitte will. Ein Moderator mit Behinderung in den Abendnachrichten, auch wenn es nicht um die Paralympics geht, wäre ein Anfang. Es braucht mehr von denen, die in die Öffentlichkeit drängen, nicht weil sie eine Behinderung haben, sondern weil sie zur Gesellschaft gehören. Instagram kann da nur ein Anfang sein.

Ronja Ringelstein

Tagesspiegel

2. “Paralympics 2018: Die Herausforderung annehmen” (ZDF)

Das ZDF bringt zur Einstimmung auf die Paralympics 2018 eine kurzweilige Zusammenfassung.

3. “Teilhabe für Menschen mit Handicap?” (Deutschlandfunk Kultur)

Das Hierarchiesystem des Konfuzianismus setzt Unterschiede zwischen Menschen voraus. So erleben behinderte Menschen mitunter Abneigung oder Mitleid. Auch der Buddhismus prägt die Gesellschaft: danach werden Behinderungen auch als Strafe für ein früheres Leben betrachtet. Der Staat geht hingegen pragmatisch vor: Größere Firmen sind verpflichtet, auch Mitarbeiter mit Behinderung zu beschäftigen. Doch nehmen etliche Unternehmen lieber ein Bußgeld in Kauf.

Ronny Blaschke

Deutschlandfunk Kultur

4. “Von wegen Handicap.” (Zeitonline)

Eine Übersicht über die Sportarten von Annika Langrock bei Zeit Online.

5. Porträts der Sportler*innen

Das ZDF bringt Porträts zu einigen Sportler*innen der Paralympics:

Die Sportschau bringt ebenso Porträts über die Sportler*innen.

Der Tagesspiegel schreibt über die deutsche Fahnenträgerin Andrea Eskau:

Doch neben dem Alter sprachen noch einige andere Argumente für die für Magdeburg startende Diplom-Psychologin, die beim Bundesinstitut für Sportwissenschaften in Bonn arbeitet. Eskau ist sportlich erfolgreich, mit dem Handbike sowie als Biathletin und Langläuferin. Eskau ist die einzige Starterin in Pyeongchang, die sowohl im Sommer als auch im Winter schon Goldgewann.

Tagesspiegel

6. “Groß wie noch nie” (Süddeutsche Zeitung)

Über die einzelnen Paralympics-Sportler*innen und fehlendes Sponsoring schreiben Sebastian Fischer und Ronny Blaschke in der Süddeutschen Zeitung.

7. Interview Verena Bentele (Süddeutsche Zeitung)

Die ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und Paralympics-Sportlerin Verena Bentele im Interview mit Max Ferstl von der Süddeutschen Zeitung.

Der Stellenwert und die Aufmerksamkeit haben zugenommen. In Nagano gab es kaum öffentliches Interesse, kaum Übertragungen, deutlich weniger aktuelle Berichterstattungen. Heute überträgt das Fernsehen live, man kann die Wettbewerbe im Internet sehen. Auch die Art der Berichterstattung hat sich verändert. Früher konzentrierten sich Reporter vor allem auf das tragische Schicksal des Einzelnen. Das gehört natürlich zur Geschichte, ist aber nur ein Aspekt. Mittlerweile ist die sportliche Leistung in den Vordergrund gerückt. Es geht um die Schießfehler, die Zeitabstände – und nicht darum, welchen Unfall ein Athlet hatte. So soll es sein.

Verena Bentele

Süddeutsche Zeitung

8. “Der aufsässige Aussetzige” (taz)

Über Vorbehalte in Südkorea gegenüber Menschen mit Behinderung schreibt Fabian Kretschmer in der taz. 

9. “Gipfel der Inklusion” (Tagesspiegel)

Hintergrundinformationen und aktuelle Diskussionen rund um die Paralympics reflektiert Annette Kögel im Tagesspiegel.

Die Behindertenweltspiele beginnen einst aus einem Anlass, der leider heute noch Grund für die Teilnahme vieler Medaillengewinner aus den USA, Afghanistan, der Ukraine oder dem Irak ist: Es waren Wettkämpfe von Kriegsversehrten.

Annette Kögel

Tagesspiegel

10. Der 3D- Druck für Prothesen (Tagesspiegel)

Über die Möglichkeit, Prothesen im 3D-Drucker herzustellen, schreibt Lea Stramann im Tagesspiegel.

Wie in anderen Bereichen der Technik, könnte auch der 3D-Druck die Welt der Pro- und Orthesen und damit auch der Sportler revolutionieren. Kleinteile werden bereits auf diese Weise hergestellt. Bei den Paralympischen Spielen in Sotschi startete Martin Fleig sogar mit einem Schlitten aus dem Drucker. Doch ganz ausgereift ist die Sache noch nicht. „Das Problem sehe ich noch in der Stabilität, wenn keine Carbonfasern verwendet werden. Aber Carbon kann man bislang noch nicht drucken“, sagt Sven Rapp, Leiter der Orthopädietechnik bei „Rapp und Seifert“.  Weil das Feld extrem wächst, sieht er in der Zukunft aber durchaus auch für seine Firma Potential im 3-D-Druck.

Lea Stratmann

Tagesspiegel

11. Gemalte Porträts der Sportler*innen (Sportschau)

Stefanie Herrman malt als Künstler*in mit Behinderung die Sportler*innen der Paralympics und wird in der Sportschau porträtiert.

12. Barrieren behinderter Sportler*innen (FAZ)

In der FAZ gab Anna Schaffelhuber ein Interview und bekam von Christian Kamp wichtige Fragen über Barrieren für behinderte Menschen gestellt:

Para-Athleten scheinen ja oft noch in einer anderen Rolle zu stecken: Stärke zeigen. Haben Sie auch dieses Gefühl: Immer stark sein zu müssen?

Es wird einem sehr oft unterstellt, dass man den Sport macht, weil man die Behinderung hat und sich deshalb beweisen will. Das find’ ich schon sehr anstrengend. Ich mach den Sport nicht, weil ich Rollstuhlfahrer bin und jemandem was beweisen will.

Auf was für Barrieren stoßen Sie?

Es sind eher die kleinen Dinge. Wenn ich zum Bäcker will, und es geht nur über Stufen rein. Wenn ich ins Theater geh, und die Plätze für den Begleiter sind 15 Reihen weiter hinten, dann kann ich auch allein hingehen. Oder, wie gerade, wenn ich in ein neues Schwimmbad geh, wo ich zwar ins Becken komm, in die Sauna aber schon nicht mehr. Der Bademeister hilft dir bestimmt, aber du bist nicht flexibel, nicht frei.

Es geht nicht nur darum, es zu schaffen, sondern…

…es ohne Probleme zu schaffen, genau. Man redet so viel über Inklusion, aber es wird oft nicht sehr stark gelebt. Den meisten fällt gar nicht auf, wie viele Treppen es gibt auf der Welt.

Christian Kamp

FAZ

13. Engagement von Anna Schaffelhuber (Süddeutsche Zeitung)

In der Süddeutschen Zeitung wird von Ronny Blaschke das Engagement Schaffelhubers außerhalb des Sports erwähnt:

Schaffelhuber spricht gern über Tätigkeiten, die sie sich auch durch den Sport ermöglicht hat. Sie hat nach Sotschi dutzende Vorträge gehalten, vor Sportlern, Unternehmern, Studierenden. Sie war in siebzig Schulen zu Gast, hat mit Jugendlichen über Behinderungen gesprochen, über alte Fehler und neue Chancen. Sie hat Monoski und Orthopädiegeräte erklärt, Klischees zerredet und Erwartungen geschürt. Bei anderen, aber auch bei sich selbst. In Afrika hat sie sich an einem Projekt beteiligt, das sich der Prävention gegen HIV verschrieben hat. Sie erhält viele Anfragen, und so dürfte es Ende März weitergehen.

Ronny Blaschke

Süddeutsche Zeitung

14. Hintergrund Korea und behinderte Menschen (Süddeutsche Zeitung)

Ronny Blaschke gibt in der Süddeutschen Zeitung einen Einblick in die Situation behinderter Menschen in Korea. Und thematisiert, welche Effekte generell die Paralympics auf die Gastgeber-Länder haben können.

Im Kontrast zu den Bildern der Eröffnungsfeier stehen Aussagen von geflohenen Nordkoreanern und Berichte von NGOs. Behinderte Menschen, heißt es, gelten in Nordkorea als “Beleidigung” für das Regime. Sie würden ausgeschlossen, sterilisiert und gar in abgelegenen Gebirgslagern gefoltert. Säuglinge mit einer Behinderung blieben “verschwunden”. Auch von medizinischen Experimenten und chemischen Tests ist die Rede.

Ronny Blaschke

Süddeutsche Zeitung

15. Weniger Verkrampftheit, aber fehlende Förderung (Süddeutsche Zeitung)

Sebastian Fischer stellt in der Süddeutschen Zeitung fest, dass in der Gesellschaft beim Thema Behinderung weniger Verkrampftheit zu finden sei. Dennoch gebe es strukturelle Behinderung, etwa fehlende Förderung der Paralympics-Sportler*innen:

Und manchmal muss der paralympische Sport auch im Jahr 2018 noch ganz von vorne anfangen, ohne den Humor zu verlieren. Anna-Lena Forster, eine der besten deutschen Monoskifahrerinnen und Herausforderin von Anna Schaffelhuber, der fünfmaligen Goldmedaillengewinnerin von Sotschi, sagt, sie habe das Gefühl, dass sie manchmal noch immer nicht als Athletin anerkannt werde, sondern als Mensch, dem man gerne mal was Gutes tut. Sie merkte das auf der Sponsorensuche, sie hatte einen großen Schokoladenhersteller nach möglicher Unterstützung für ihren Hochleistungssport gefragt. Sie bekam ein Paket Schokolade zugeschickt.

Sebastian Fischer

Süddeutsche Zeitung

Titelfoto: Das Maskottchen der Paralympics 2018. Screenshot von Beitrag im ZDF.