In unserer Rubrik “Likemedien” präsentieren wir unsere Fundstücke aus dem Netz der aktuellen Woche. Letzte Woche ging es um die Oscars für Filme mit Gebärdensprache, den Weltfrauentag und den Start der Paralympics.

Artikel

  • Oscar-Verleihung: Gleich vier Filme, in denen mit Gebärdensprache kommuniziert wird, waren für die Oscars nominiert. Gewonnen haben der Film “The Shape of Water” (Bester Film, Beste Regie, Beste Musik und Bestes Produktionsdesign) und der Kurzfilm “The Silent Child”. Unser Autor Wille Felix Zante mit einem Kommentar.
  • Schwer-in-Ordnung-Ausweis: Seit Monaten reden die Medien über den “Schwer-In-Ordnung-Ausweis”. Was das Problem dabei ist, beschreibt Tanja Kollodzieyski (Rollifräulein) in ihrem Blog  und Christiane Link bei Zeit Online. Hier geht’s zur Diskussion auf unserer Facebook-Seite.
  • Weltfrauentag: Am 8. März war der Internationale Frauentag. Wir haben uns gefragt, welche Themen Frauen mit Behinderung 2018 immer noch beschäftigen und kamen auf: Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt versus Arbeitslosigkeit, körperliche Selbstbestimmung versus Gewalt und Sterilisation und Barrierefreiheit von Frauenarztpraxen. Bei Kobinet Nachrichten finden sich noch mehr Forderungen auf Chancengleichheit.
  • Bundestag und Vielfalt: Das Volk soll im Bundestag repräsentiert werden. Dann müssten aber 43 behinderte Abgeordnete mehr im Bundestag sein. Eine Studie der Süddeutschen Zeitung gibt einen Einblick in die fehlende Vielfalt im Bundestag.
  • Behindert als Schimpfwort: Der Psychiater und Hochschullehrer Manfred Spitzer verwendete in einem Interview mit dem Deutschlandfunk den Begriff “Behinderte” als Schimpfwort – und ZDF heute teilte das Zitat ohne Einordnung weiter.
  • Arbeitsmarkt: “Weniger als 30% der blinden Menschen im erwerbsfähigen Alter (sind) hierzulande auf dem 1. Arbeitsmarkt beschäftigt. Über 70% sind arbeitssuchend, frühverrentet, arbeiten in einer Werkstatt für behinderte Menschen, besuchen ein Berufsförderungswerk oder andere Eingliederungsmaßnahmen usw.” schreibt Heiko Kunert in seinem Blog.

Event Paralympics 2018

Anna Schaffelhuber winkt lächelnd in die Kamera. In der anderen Hand hält sie ihre Goldmedaille. Im Hintergrund sind Schneeberge Südkoreas zu sehen. Dazu ein Zitat von ihr: "Ich mache den Sport nicht weil, trotz oder obwohl ich diese eine Behinderung habe, sondern ich mache den Sport der Leistung wegen."
Die deutsche Mannschaft läuft / rollt ins Stadion bei der Eröffnungsfeier der Paralympics 2018 in Südkorea. Vorne hält Andrea Eskau die deutsche Fahne. Darunter das Zitat: "Das hat sich positiv entwickelt: Heute werden die Sportler mehr über ihre Leistung wahrgenommen und nicht nur über ihre Behinderung." (Verena Bentele, Paralympics-Siegerin auf WDR 2 über die Paralympics 2018)

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat einen Leitspruch: „Nicht ohne uns über uns“. Er sollte immer gelten, nicht zuletzt, wenn Medien über Menschen mit Behinderung berichten. Lange Zeit aber wurden immer diese zwei Geschichten erzählt: die eine vom „Opfer“, das seit einem „tragischen Unfall“ an den „Rollstuhl gefesselt“ ist . Und die des Helden, der „trotz der Behinderung“ Dies und Jenes tut. Heute bemühen sich viele deutsche Medien, es besser zu machen und machen es besser. Das liegt nicht zuletzt am Engagement von den „Leidmedien“, die Workshops in den Redaktionen geben. Oft ist die Angst groß, Unpassendes zu schreiben, zu sagen. Wie berichtet man „richtig“ über Behinderung?

Ronja Ringelstein

Tagesspiegel

Wenn alle zwei Jahre die Paralympics stattfinden, das drittgrößte Sportfest der Welt, liefert das immer Indizien und Anstöße dafür, wie locker oder verkrampft mit dem Thema Behinderung umgegangen wird. Früher war in Deutschland oft von “Opfern” die Rede, die “an den Rollstuhl gefesselt” waren, unter ihrem “Schicksal leiden” mussten und “trotz der Behinderung” zu “Helden” wurden.

Sebastian Fischer

Süddeutsche Zeitung

Tweets aus dem Alltag

Termine

  • Vom 10. März – 31. März ist die bisher größte Ausstellung blinder Fotograf*innen in Berlin zu sehen: “Was du nicht siehst” in der Galerie Kungerkiez in Treptow (Vernissage: 09.03.18, 19 Uhr).
  • Am 17. und 18. März lädt die “Why Not?” Tanzperformance in den Sophiensälen in Berlin zum ästhetischen Grenzgang zwischen den Lebenswelten zwei sehr unterschiedlicher Menschen, Ahmed Soura und Roland Walter.
  • Am 20. März lädt die Ohrenkuss-Redaktion zum Tag der Offenen Tür nach Bonn ein. Es gibt einen Einblick in die Arbeit am kommenden Heft. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ort: Friedrich-Breuer-Straße 23, 53225 Bonn.
  • Am 20. März ist die Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises 2018 in Berlin. Bis zum 14. März könnt ihr für den Publikumspreis abstimmen.
  • Am 24. März., 19 Uhr, wird im Lichthoftheater Hamburg die Welt gerettet – mit der theatergruppe 36.
  • Am 5. April findet der Internationale Fachtag über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Bochum statt. Anmeldung per Mail bis 23. März.
  • Am 12. April geht es in den zweiten Teil unserer Reihe “Die Salonfähigen” im taz-Café in Berlin. Dieses Mal geht es um die Berichterstattung über homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen. Organisiert wird der Abend vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, zusammen mit den Neuen Deutschen Medienmachern und den Sozialhelden.
  • Ab dem 13. April gibt es einen Poetry Slam Workshop in Köln, organisiert vom mittendrin e.V.

In eigener Sache:

Titelbild: Schatten des Aterns, Gerald Pirner