Mit „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ bringt die ARD am 4. September eine neue Serie mit einer starken weiblichen Hauptfigur ins Hauptabendprogramm. Romy Heiland, gespielt von Lisa Martinek, ist eine ambitionierte Rechtsanwältin und von Geburt an blind.
Melanie Wölwer sprach mit der verantwortlichen Produzentin Daria Moheb Zandi, Hauptdarstellerin Lisa Martinek und der Rechtsanwältin Pamela Pabst, auf deren Biografie die Serie beruht.

Leidmedien.de: Frau Martinek, was hat Sie an der Rolle der Romy Heiland besonders interessiert?

Lisa Martinek: Als ich das Buch gelesen hatte, war mir relativ schnell klar, dass hier zwei Welten auf mich zukommen, die ich spannend finde. Die Welt der Blindheit und der Rechtsprechung. Ich hatte sofort Lust, beide zu erforschen. Jura hielt ich bisher immer für ein sehr trockenes Themenfeld, aber dann hatte ich das Glück, Pamela Pabst kennenzulernen. Ich durfte sie bei der Arbeit in der Kanzlei beobachten und sie zu Gerichtsverhandlungen begleiten. Die Welt einer Strafverteidigerin ist hochspannend, sehr komplex und äußerst lehrreich. Die Vorbereitung war also für mich sehr intensiv und hat meinen Horizont extrem erweitert – und dieser Prozess dauert noch an.

Leidmedien.de: Also waren Sie beide während der Vorbereitung und Dreharbeiten miteinander vernetzt?

Pamela Pabst: Wir hatten sowas wie eine Standleitung (lacht). Wie Lisa schon sagte, habe ich sie oft mitgenommen. Sie durfte sich alles von mir aneignen, was sie für die Rolle gebrauchen konnte. Wir haben uns auch privat getroffen oder waren zusammen bei Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises. Ich war auch am Set manchmal dabei. Wir haben während der Arbeit festgestellt, dass unsere Berufe sich ziemlich ähnlich sind. Wir müssen beide immer wieder in fremde Welten eintauchen.

Leidmedien.de: Ihre Darstellung, Frau Martinek, ist sehr authentisch in Mimik, Gestik und Bewegung. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Lisa Martinek: Ich habe gemeinsam mit der Drehbuchautorin Jana Burbach einen interessanten Kurs beim Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin besucht. Dort haben wir z. B. unter einer Simulationsbrille gefrühstückt. Wir wurden dabei in einen Raum geführt und wussten lediglich, dass es einen gedeckten Frühstückstisch und genügend Stühle für alle gibt. Das war eine spannende Erfahrung, weil wir sehr schnell gemerkt haben, dass das nur funktionieren kann, wenn wir miteinander kommunizieren. Bei diesem Kurs haben wir auch vieles über die unterschiedlichen Arten von Seheinschränkungen gelernt.

Außerdem habe ich mit dem Mobilitätstrainer von Pamela gearbeitet. Er hat mir beigebracht, mit dem Langstock zu gehen und wie man sich in fremden Räumen oder in bekannter Umgebung verhält. Natürlich kann ich mich jetzt nicht selbstständig mit dem Langstock orientieren. Ich bin Schauspielerin, ich kopiere. Aber ich hatte die Möglichkeit, mich einzufühlen, damit ich es so authentisch wie möglich darstellen kann. Und mit diesem Vorwissen war dann die Zeit, die ich mit Pamela verbringen durfte, die wichtigste Vorbereitung. Hier musste ich mein Wissen aber wieder einschränken und mich auf die besonderen Eigenheiten ihrer Person konzentrieren.

Leidmedien.de: Was war die größte Herausforderung für Sie als Schauspielerin bei der Darstellung einer blinden Frau?

Lisa Martinek: Die Konzentration. Wir haben die ersten drei Folgen nacheinander gedreht und dabei bin ich wirklich an die Grenze meiner Kraft gestoßen. Man darf sich nicht ablenken lassen und muss sich komplett auf das Hören konzentrieren, damit man nicht wie ein Sehender auf visuelle Reize reagiert, was oft ganz unbewusst passiert. Ich sehe ja trotzdem, dass sich z. B. die Kamera vor mir bewegt. Aber das darf man nicht merken. Diese Konzentration fällt wahnsinnig schwer. Bei Szenen, in denen man selbst in Bewegung ist, ist das etwas leichter. Aber grundsätzlich bedarf es beim Spielen einer absoluten Wachheit und Konzentration bis zur letzten Drehminute.

Pamela Pabst: Man hätte es sich einfacher machen und der Romy eine dunkle Brille geben können. Damit wäre aber ein Klischee bedient worden. Ich finde es sehr gut, dass das nicht gemacht, sondern schauspielerisch gelöst wurde. Die Romy hat – so wie ich – noch einen kleinen Sehrest und den würde man mit einer dunklen Brille natürlich noch mehr einschränken. Dadurch musste sich Lisa eine Art zu schauen angewöhnen, die sehr anstrengend gewesen sein muss. Ich sage immer: Lisa spielt eine blinde Frau mit offenen Augen.

Leidmedien.de: Frau Moheb Zandi, Sie sind die Produzentin der Serie beim rbb. Wie kam es zu diesem Projekt?

Daria Moheb Zandi: Vor vier Jahren kamen die Produzentinnen Viola Jäger und Alicia Remirez mit einem Exposé von Drehbuchautorin Silke Zertz für einen Fernsehfilm bzw. einen Zweiteiler in die Filmredaktion des RBB. Es basierte auf einer Autobiografie „Ich sehe das, was Ihr nicht seht“ von Pamela Pabst. Ich las es und dachte: ein Anwaltsformat mit einer starken und ungewöhnlichen, weiblichen Hauptfigur – das ist etwas für eine Serie. Erst waren alle überrascht, begeisterten sich aber schnell für die Idee.

Vor zwei Jahren kam Jana Burbach als Headautorin mit ins Team, mit ihr weitere Autoren und Nina Philipp stieß als ausführende Produzentin vor eineinhalb Jahren dazu. Seitens der Redaktion unterstützt mein Kollege Rudolf Bohne seit Anbeginn das Projekt. Es sind viele Menschen an der Entwicklung beteiligt, ohne die es nicht zu diesem Ergebnis gekommen wäre.

Während der gesamten Entwicklungszeit standen wir in enger Abstimmung mit Pamela Pabst. Sie hat die Autoren beraten und z. B. mit zu Verhandlungen ins Gericht genommen. Später arbeitete sie eng mit unserer Hauptdarstellerin Lisa Martinek zusammen. Pamela war von Anfang an unsere Gesprächspartnerin bei dem Projekt.

Leidmedien.de: Wie haben Sie sich als Redakteurin auf das Thema „blinde Hauptfigur“ vorbereitet?

Daria Moheb Zandi: Wir haben uns früh gefragt, wie funktioniert das mit einer blinden Figur in einer Serie? Wollen die Zuschauer das sehen? Ist das Thema unterhaltsam? Und mit welchem Blick schaut ein Zuschauer auf die Figur?

Dank der Expertise von Raúl Krauthausen weiß ich nun, dass es, medial betrachtet, sehr unterschiedliche Blicke auf behinderte Menschen gibt. Und wir wollten auf keinen Fall einen mitleidigen Blick auf unsere blinde Hauptfigur werfen. Und das würde auch nicht unserem Vorbild Pamela Pabst entsprechen. Ich habe bei der Frage: „Wie stellt man das dar?“ gemerkt, dass niemand im Team mit sehbehinderten und blinden Menschen bisher zu tun hatte.

Wir wollen die Blindheit der Hauptfigur als etwas Normales und Alltägliches darstellen – wie ja auch unser filmisches Vorbild Pamela Pabst sehr selbstverständlich mit ihrer Sehbehinderung umgeht. Wichtig ist natürlich, dass gerade ein solches Projekt gut recherchiert ist und eben so gut umgesetzt wird. Bei der gesamten Recherche war Pamela Pabst unerlässlich, aber auch der Blinden-Coach Michael Schütze hat uns beratend zur Seite gestanden.

Leidmedien.de: Wie sind Sie an das Themenfeld „Blindheit“ herangegangen?

Ob das nun eine blinde oder eine andere Figur ist – man erzählt immer neue Welten. Wir haben es also gemacht, wie immer: wir haben uns der Thematik mit Neugier und unvoreingenommen genähert und unfassbar viel in dieser Zeit gelernt. Heute kann ich sagen, ich bin „blind“ in den Prozess reingegangen.

Vor drei Monaten hatten wir im Sender einen Inklusions-Workshop, der alle zwei Jahre veranstaltet wird. Raúl Krauthausen hielt dort einen inspirierenden Vortrag zur Darstellung behinderter Menschen in den Medien und wir haben anschließend die „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ vorgestellt. Raúl war so nett und hat auf unsere Textvorlagen geschaut, damit wir keine falschen Sprachbilder bemühen. Und er sagte „Das wichtigste habt Ihr schon richtig gemacht: Romy Heiland ist nicht traumatisiert.“ Ein wichtiger Aspekt, der uns bei der Entwicklung der Serie zuvor nicht besonders und erwähnenswert erschien. Doch es stimmt: unsere Hauptfigur Romy Heiland ist von Geburt an blind, das ist für sie normal und wird auch nicht weiter thematisiert.

Wir haben von ihm gelernt, Formulierungen, wie „trotz Blindheit“ nicht zu verwenden. Wenn man Glück hat, stößt man also auf die Fettnäpfchen, bevor man reintritt und das ist uns bisher gelungen. Es ist dann natürlich auch Leuten wie Jana Burbach zu verdanken, die mit Pamela im Austausch ist und diesen Anspruch immer wieder überprüft hat. Wir haben sicher auch Dinge übersehen, was sich erst bei der Ausstrahlung zeigen wird. Aber wir haben versucht, es gut zu machen.

In einer Folge zeigt sich ein Anwalt dann doch beeindruckt, wie Romy Heiland „das trotz ihrer Behinderung“ schafft. Sein Gesprächspartner korrigiert sofort „Mit! Sie sieht die Behinderung mehr als Eigenschaft“. In wieweit möchte die Serie darüber aufklären, wie behinderte Menschen wahrgenommen werden möchten?

Daria Moheb Zandi: Das sind ja Sprachbilder, die Sehende benutzen, ohne sich etwas Böses dabei zu denken. Ich selbst habe vor zwei Jahren auch noch so gesprochen, weil ich es nicht besser wusste. Wenn wir es schaffen, diese Sprachbilder über beiläufige Situationen aufzulösen, ist das eine Sache, die uns am Herzen liegt. Wir wollen demjenigen, der sprachlich ins Fettnäpfchen tritt, kein schlechtes Gefühl geben. Es geht eher darum, seine eigene Perspektive zu verlassen.

Leidmedien.de: Sie wollten Lebenswirklichkeit darstellen. Romy Heiland ist weder traumatisiert, noch – ein weiteres, beliebtes Klischee bei der Darstellung blinder Menschen – sie ist keine „Superblinde“.

Daria Moheb Zandi: Das war etwas, das im redaktionellen Umfeld anfangs immer mal wieder eingefordert wurde, dass sie  „supernatürliche“ Fähigkeiten hat. Dass sie beispielsweise hört, wenn jemand lügt. Aber das hat Pamela streng verboten und die anderen Redakteure schnell überzeugt. Es hilft extrem, in einem fiktionalen Kontext einen realen Menschen zu haben, der klar sagt: Nein, das machen wir jetzt nicht.

Leidmedien.de: Romy Heiland ist eine selbstbewusste und unabhängige Frau. In der ersten Folge lässt sie sich jedoch beim Treffen mit ihrem Mandanten das Essen klein schneiden, was Sie abhängig und etwas unmündig wirken lässt. Was hat es mit dieser Szene auf sich?

Pamela Pabst: Ich selbst hätte mir an Romys Stelle auch – selbstbewusst, wie ich bin – das Fleisch schneiden lassen, bevor es mir vom Teller rutscht. Hilfe anzunehmen oder um Hilfe zu bitten, kann eine große Stärke sein.

Daria Moheb Zandi: Es war uns wichtig, genau diese Art der Selbstbestimmung auch in der Serie zu zeigen.

Leidmedien.de: Warum wurde für die Rolle der Romy Heiland keine blinde Schauspielerin besetzt?

Daria Moheb Zandi: In bestimmten Bereichen gibt es  keine geregelten Ausbildungsmöglichkeiten für behinderte Menschen – das gilt auch für Schauspielschulen. Auch dies habe ich bei der Inklusionsveranstaltung gelernt. Deshalb gibt es keine professionell ausgebildeten blinden Schauspieler und Schauspielerinnen. Es war für uns aber auch keine Option, eine blinde Frau zu suchen, die vielleicht ganz gut spielen kann. Für so eine Serie brauchen wir eine richtig gute Schauspielerin. Und da ist übrigens auch die Auswahl bei den sehenden Darstellerinnen gering.

Pamela Pabst: Ja, darüber haben wir wirklich schon viel diskutiert. Ein blinder Schauspieler könnte wahrscheinlich nur eine blinde Figur spielen. Da diese bisher selten sind, ist auch das Rollenangebot ziemlich eingeschränkt. Ich finde es als blinde Person nicht schlimm, dass die Romy von einer sehenden Schauspielerin gespielt wird. Für mich ist entscheidender, dass sie gut gespielt wird.

Leidmedien.de: Was denken Sie, warum grundsätzlich noch immer kaum Schauspieler mit einer Behinderung besetzt werden?

Daria Moheb Zandi: Für Hauptrollen braucht es in der Regel gut ausgebildete Schauspieler und Schauspielerinnen. Aus besagtem Grund ist es leider sehr schwer, geeignete professionelle Schauspieler mit Behinderung zu finden. Ich würde es begrüßen, wenn die Ausbildung in diesem Bereich stärker gefördert würde. Wir haben beim Casting darauf geachtet, eine Schauspielerin zu finden, die mit der nötigen Sensibilität diese Rolle umsetzen kann. Und glauben mit der Besetzung von Lisa Martinek die richtige Person gefunden zu haben.

Lisa Martinek: Im Arbeitsalltag wäre das tatsächlich schwierig, stellenweise sogar gefährlich. Am Set liegen zum Beispiel überall Kabel bzw. stehen heiße Scheinwerfer herum.

Leidmedien.de: Noch immer sind Formate, in denen behinderte Menschen eine Rolle spielen in deutschen Fernsehproduktionen eine Ausnahme. Worin sehen Sie die Gründe?

Daria Moheb Zandi: Vor vier Jahren hätte ich darauf keine Antwort gewusst. Heute glaube ich, dass Autoren, Redakteure und Produzenten eher Geschichten erzählen über Welten, die sie kennen oder glauben zu kennen. Die Lebensbereiche behinderter Menschen werden als parallele Lebenswelten wahrgenommen. Wenn man einen solchen Stoff also ernsthaft aufgreift, geht das nur über eine zentrale Figur in der Erzählung. Dies ist aufwendig, weil man die Figur aus ihrem Charakter heraus entwickeln muss. Die Mühe machen sich wenige Menschen, zumal es eine ungewisse Reise ist. Meine Antwort ist also: Ich denke, Fernsehmacher haben mit der Welt behinderter Menschen bisher sehr wenig Berührung. Und es gibt wenige Vorbilder.

Leidmedien.de: Glauben Sie, dass das Genre „Komödie“ es einfacher macht, dem Zuschauer Geschichten mit behinderten Menschen zu vermitteln?

Pamela Pabst: „Die Heiland“ ist keine Komödie im klassischen Sinne. Die Serie will die Zuschauer unterhalten, aber behinderte Menschen nicht als lustige Objekte darstellen.

Daria Moheb Zandi: Die Episodenfälle sind in ihrer Tonalität eher ein Drama. Aber wir haben ein komödiantisches Duo. Grundsätzlich würde ich sagen: Komödie hilft. Nicht nur um das Thema Behinderung zu bespielen. Es tut uns Deutschen ganz gut, über Themen, die ernst und differenziert angeschaut werden sollten, auch mal zu lachen. Nicht im Sinne von „sich lustig machen“, sondern als Form der Auseinandersetzung. Dies hat in Deutschland keine ausgeprägte Kultur, weil wir immer Angst haben, etwas falsch zu machen.

Leidmedien.de: Romy Heiland sagt z. B. schmunzelnd zu ihrer Assistentin: „Behindert sein kann ich alleine, aber laufen nicht“, als diese alleine losstürmt, um einen Bus aufzuhalten und dem Fahrer zuruft „Stopp, wir sind behindert“.

Daria Moheb Zandi: Ja, es ist genau dieser wichtige Schritt der Begegnung zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen. Dass man sich im Umgang traut, auch Dinge falsch zu machen. Und dass der Mensch, der eine andere Perspektive hat – ob nun durch eine Behinderung oder aus einem anderen Grund – einem einfach sagt, wie es für ihn besser ist. Das kann man auf viele Begegnungen und Lebensbereiche übertragen.

Leidmedien.de: Die Serie zeigt verschiedene Alltagssituationen blinder Menschen. Inwieweit ist es ein Anspruch der Serie, den Alltag blinder Menschen möglichst umfangreich abzubilden?

Pamela Pabst: Ein großer Anspruch.

Lisa Martinek: Für mich ist es eigentlich das Hauptanliegen. Aber nicht dokumentarisch. Wir wollen das Thema näherbringen und Berührungsängste nehmen. Wir wollen zeigen, dass man fragen darf, miteinander sprechen kann und dass es nichts Peinliches im gegenseitigen Umgang gibt.

Leidmedien.de: Also, wie Ada Holländer.  Sie begegnet Romy Heiland offen und ohne Berührungsängste und ist gleichzeitig intuitiv umsichtig.

Pamela Pabst: Genau. Wir wollen zeigen: Geht auf die Menschen zu und habt keine Angst.

Lisa Martinek: Wenn man eine blinde Person sieht und helfen möchte, zum Beispiel beim Überqueren der Straße, sollte man denjenigen einfach fragen. Der Blinde sagt dann schon nein, wenn er es alleine kann.

Pamela Pabst: Es ist aber auch wichtig, dass er nett „nein“ sagt. Ich sehe da durchaus auch eine Verantwortung auf der Seite der behinderten Menschen.

Leidmedien.de: Eine letzte Frage: Wird die Serie mit Audiodeskription und Untertiteln produziert? 

Daria Moheb Zandi: Selbstverständlich. Die Hauptsendeplätze am Sonntag und am Dienstag sind immer mit Audiodeskription, die anderen nicht unbedingt. Ich habe schon mit Pamela besprochen, dass sie die Audiodeskription anhört und uns ein Feedback gibt.

Die Heiland – Wir sind Anwalt

Start: Ab 4. September 2018 jeweils Dienstags um 20:15 Ihr im Ersten.

www.daserste.de/dieheiland 

Nachgefragt:

Wir haben Wolfgang Janßen, Gründer der Plattform Rollenfang, die sich für mehr behinderte Schauspieler*innen im Film und Fernsehen einsetzt, gebeten, die Lage von Schauspieler*innen mit Behinderung in Deutschland zu kommentieren:

„Mit einer Aussage hat Frau Daria Moheb Zandi leider recht und zwar, dass die Ausbildungssituation von SchauspielerInnen mit Behinderung schlecht ist. Staatliche Schauspiel- und Filmhochschulen nehmen so gut wie keine SchauspielerInnen mit Behinderung auf. Aber es gibt fast in jeder großen Stadt inklusive Theatergruppen, in denen sie ihre Ausbildung quasi während Ihres Jobs machen. Es gibt private Schauspielschulen die Talente mit Behinderungen ausbilden; und wir von Rollenfang bieten Workshops im Bereich Film und Kameraarbeit für SchauspielerInnen mit Behinderung an.

Natürlich können SchauspielerInnen mit Behinderungen auch Serie, z. B. steht gerade der von Rollenfang vertretene Schauspieler Max Dominik für die ARD Telenovela ” Rote Rosen” in Lüneburg vor der Kamera. Das Pensum ist sportlich, aber das ist für alle anderen auch anstrengend. Wir kämpfen ständig gegen Ängste und Vorurteile. Dies zeigt die Aussage von Frau Martinek. Das technische Personal am Set nimmt seinen Job sehr ernst. Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit haben bei aller Hektik absolute Priorität, sonst wäre das Drehen auch für Frau Martinek gefährlich. Alle Schauspielenden, ob mit oder ohne Behinderung, konzentrieren sich auf ihre Rolle und die Kamera. Sie müssen nicht auf Kabel und heiße Scheinwerfer achten. Auch die Schnelligkeit liegt nicht alleine an den SchauspielerInnen, sondern an unterschiedlichen technischen und menschlichen Faktoren. Die Aussagen sind meiner Meinung nach also reine Schutzbehauptungen, bestenfalls aus Unwissenheit weil bisher keine Erfahrungen mit SchauspielerInnen mit Behinderung gemacht wurden – Das ist schade aber leider fast überall Normalität.“

Bilder: ARD/Reiner Bajo