Bei unserem Streifzug durch Print, Online, TV und Hörfunk haben wir viele positive Beispiele entdeckt. Für gute Berichterstattung über behinderte Menschen haben wir versucht, einige Kriterien zu formulieren:

Perspektivwechsel: Es wird die Perspektive von Menschen mit Behinderung eingenommen. Behinderte Menschen kommen selbst zu Wort. Es wird nicht über Menschen mit Behinderung gesprochen oder nur mit ihren Stellvertreterinnen und Stellvertretern – Experten, Ärztinnen, Eltern usw.

Soll der Schwerpunkt die Behinderung selbst sein, sollten soziale und politische Aspekte mit einbezogen werden. Was sind Barrieren, auf die die Interviewten stoßen? Wie finanzieren sie beispielsweise ihre Assistenz? Welche Benachteiligungen erleben sie auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt? Es sollte nicht nur der beeinträchtigte Körper und der medizinische Blick darauf thematisiert werden.

Die behinderten Interviewten haben ein Anliegen, ein Projekt oder eine Idee – und das ist das Thema, nicht die Behinderung an sich. Wird nur über die Behinderung selbst berichtet, gerät die Geschichte leicht in die Mitleidsschiene oder wird zur Sensation.

Und schließlich: Eine möglichst neutrale Sprache, die nicht unnötig dramatisieren oder voyeuristische Sensationen schaffen will. Da behinderte Menschen mit ihren Beeinträchtigungen unterschiedlich umgehen, sollten Sie einen sachlichen Ton wählen. Auch eine neutrale, ausgewogene Geschichte über Behinderung wird gelesen oder gehört – es müssen nicht immer Drama und Sensation sein.

Aufgespürt und für gut befunden haben wir beispielsweise diese Beiträge:

  • „Der Alltag zweier Mütter“: Tilo Schmidt über eine Mutter die mit Rollstuhl unterwegs ist und eine, die blind ist. Deutschlandradio Kultur, 4.1.2016
  • „Inklusion im Sport – es gibt zu wenig davon“ – Daniela Müllenborn berichtet über Angebote von inklusivem Sport in Fitnessstudios und Sportvereinen. Die Reporterin merkt an, dass es noch zuwenige solcher Möglichkeiten gibt und dass es häufig noch Berührungsängste gibt. Deutschlandfunk, 3.01.2016
  • „Wer darf leben?“ Auf eindrückliche Weise wird hier das Leben zweier Familien beschrieben. Beide erwarten ein Kind mit Down-Syndrom. Eine Familie entscheidet sich gegen das Kind. Die Reportage gibt es auch in Leichter Sprache. Zeit Online, 13.05.2015
  • „Sophie findet ihren Weg. Leben mit Down-Syndrom“. Die Hauptdarstellerin ist inklusiv aufgewachsen und hat Filmausschnitte selbst gedreht. Das Erste, 26.04.2015
  • „Achtung Notaufnahme!“: Eine Sendereihe über das BG Uniklinikum Bergmannsheil in Bochum. Dort arbeitet Dr. Aach mit Patienten mit Rückenmarksverletzungen. Auch er ist nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen. Kabeleins, 03.05.2016
  • „Lennart spricht mit den Augen“: Eine Dokumentation über einen jungen Schüler der einen Talker zum sprechen benutzt. MDR/KiKa, 2014

Beispiele, die wir als nicht so gelungen empfinden, findet ihr hier.

Titelbild: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de